"Gutes" HDL-Cholesterin kann auch "böse" sein

10. Jänner 2012, 10:47
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Neue Studie könnte die Bewertung von HDL revolutionieren - Vermeintlich "gutes" Cholesterin kann entzündliche Reaktionen verstärken

Die Ergebnisse einer aktuellen Studie an der Universitätsklinik für Innere Medizin III der MedUni Wien könnten die Bewertung von HDL-Cholesterin revolutionieren: Thomas Weichhart und Marcus Säemann von der Abteilung für Nephrologie haben herausgefunden, dass das vermeintlich "gute" HDL-Cholesterin auch "böse" sein und entzündliche Reaktionen sogar verstärken kann. 

Keine anti-entzündliche Wirkung bei Cholesterin-Patienten

Generell wurde bisher zwischen "gutem" HDL-Cholesterin und "bösem" LDL-Cholesterin unterschieden. LDL trägt zu Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt und Hirnblutungen bei, das "gute" HDL schützt davor.

Jetzt stellten die MedUni Wien-Experten aber fest, dass bei Dialyse-Patienten die anti-entzündliche Wirkung nicht gegeben ist. "Vielmehr verstärkte das HDL mehrfach die Entzündungsreaktionen und könnte damit die latente chronische Entzündung, die mit einem hohen kardiovaskulären Risiko verbunden ist, erklären", betont Säemann.

Bei einer genaueren Untersuchung des HDL bei Dialyse-Patienten, also Personen mit Niereninsuffizienz, wurde festgestellt, dass ein bestimmtes Molekül, das so genannte Serum Amyloid A (SAA), bei diesen Personen deutlich erhöht war. SAA ist eine sehr wahrscheinliche Ursache für den Defekt des HDL. Weichhart: "Wenn man SAA in gesundes HDL einbaut, wird es auch funktionsuntüchtig."

LDL senken wichtiger als HDL anheben

Diese Entdeckung könnte die Bewertung von HDL-Cholesterin verändern. Bisher wird ein hoher HDL-Wert als optimal angesehen. "Viel wichtiger als die Menge ist aber offensichtlich die Qualität des HDL. Nicht funktionsfähiges HDL-Cholesterin ist wertlos - selbst hohe HDL-Spiegel wären damit nicht mehr gesund", sagt Weichhart.

Weitere Erkenntnis: "Das Senken des LDL-Wertes ist deshalb noch immer wichtiger als das Anheben des HDL-Wertes", so Säemann.

Allerdings ist es derzeit nicht möglich, mit einfachen Tests "böses" HDL rasch zu identifizieren. An der Entwicklung eines derartigen Tests arbeiten Weichhart und Säemann derzeit. Sie haben gemeinsam mit der Medizinischen Universität Wien ein Patent erhalten, um die Veränderungen im HDL mit Hilfe eines einfachen Labortests zu bestimmen und so das Risiko für künftige Herz-Kreislauferkrankungen besser abschätzen zu können - und früher therapeutisch eingreifen zu können.

Jede Erkrankung hat ihr charakteristisches HDL

In den vergangenen Jahren konnte für einige Erkrankungen wie die koronare Herzkrankheit (KHK), Diabetes mellitus oder rheumatoide Arthritis gezeigt werden, dass jede Erkrankung offenbar ihr eigenes, charakteristisches HDL besitzt.

Weiters kommen einige der im HDL von Niereninsuffizienten neu entdeckten Proteine auch im HDL dieser Erkrankungen vor, wo HDL seine günstigen, anti-entzündlichen und gefäßschützenden Eigenschaften ebenso verliert.

"Mit dem neuen Labortest könnte nun untersucht werden, ob verändertes HDL sowohl bei niereninsuffizienten Patienten in einem frühen Stadium ihrer Erkrankung mit einer schlechteren Prognose einhergeht, und ob dies bei Patienten etwa mit Diabetes oder nach Herzinfarkt auch passiert. Damit wäre es mit Hilfe eines einfachen Testprinzips möglich, zu einem frühen Zeitpunkt therapeutisch zu intervenieren und damit die Gesamtprognose entscheidend zu verändern", so die MedUni Wien-Forscher. (red, derStandard.at)

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    Es heißt, vor allem Omega-3-Fettsäuren in Fisch, Leinöl, Rapsöl und Walnüssen können das schlechte LDL-Cholesterin senken und das gute HDL-Cholesterin erhöhen.

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