Ka Tupferl, ka Gaberl, ka Scheiberl, ka Goi

11. Jänner 2012, 09:18
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Während die Vienna auf ein Signal der Großklubs zur Wiederbelebung wartet, schwindet das Interesse von Austria und Rapid

Wien - A Tupferl, a Gaberl, a Scheiberl, a Goi. Derlei Abfolgen in der Wiener Stadthalle versüßten den Fußballfans einst die Weihnachtszeit. Feinmotoriker wie Herbert Prohaska ließen am Vogelweidplatz die Fans mit der Zunge schnalzen, das Wort vom "Bandenzauber" machte die Runde. Die Wiener Austria behielt zumeist die Oberhand, festigte auf den Parkettplatten ihren Ruf als technisch überlegene Mannschaft. Das Turnier galt als Pflichttermin für Feinschmecker des gepflegten Fußballs. Das war einmal. 2012 fiel der Bewerb zum dritten Mal in Folge aus.

Kein Veranstalter in Sichtweite

"Im Moment sind die Chancen auf ein Revival in der Stadthalle gering", gibt sich Austria-Vorstand Markus Kraetschmer im Gespräch mit derStandard.at keinen Illusionen hin. 2009 wurde das Turnier zuletzt ausgetragen, Austria und Rapid traten dabei gemeinsam als Veranstalter auf. Trotz gut gefüllter Halle sei am Ende ein finanzielles Minus stehen geblieben. "Das Turnier ist kostenintensiv. Wir haben unser Lehrgeld gezahlt", erzählt Kraetschmer. Ein weiteres Mal wolle der Verein das wirtschaftliche Risiko nicht tragen. Gerade in Krisenzeiten sei es schwierig geworden, Turniersponsoren zu finden. Sollte ein Veranstalter ein vernünftiges Konzept vorlegen, sei man zu Gesprächen bereit, derzeit sei aber kein Kandidat in Sicht. Und Kraetschmer gibt zu bedenken: "Je länger man das Turnier aussetzt, desto schwieriger wird eine Rückkehr. Die Tradition verblasst."

Schwindendes Interesse unter Fans

Auch Rapids Fanbeauftragter Andy Marek kann das schwindende Interesse der Anhänger bezeugen: "Als das Turnier zum ersten Mal ausfiel, gab es noch viele Anfragen, doch mittlerweile sind die Rufe quasi verstummt." Die Anhänger zeigen laut Marek Verständnis, auch ihnen sei bewusst, dass die Regenerationsphasen immer kürzer werden. In der Tat muss man dem dichter gewordenen Spielplan Rechnung tragen. In der Saison 1984/85 stand Rapid nach acht Spielen im Finale des Europapokals der Pokalsieger. 2010 schieden die Grün-Weißen nach zwölf Spielen vor der Runde der letzten 32 aus.

Nur kompaktes Turnier denkbar

In den vergangenen Jahren waren die Wiener Vereine mehrfach in der Europa League vertreten, die Spiele zur Gruppenphase sind dabei erst knapp vor Weihnachten abgeschlossen. Angesichts dieser Rahmenbedingungen stellt Kraetschmer klar: "Ein ausgedehntes Turnier über sechs Spieltage im alten und neuen Jahr wird es nicht mehr geben. Nur ein kompaktes Turnier über ein Wochenende wäre eine Option." Und selbst dann müsste man sicherstellen, dass die Mannschaften mit ihrer Einsergarnitur antreten. Dies war bei den letzten Auflagen des Turniers nicht der Fall, auch dadurch hat sich bei den Wiener Fans eine gewisse Enttäuschung breitgemacht. "Die Fans wären nur an einem Turnier mit dem Stellenwert von früher interessiert, dazu gehören die Stars", sagt auch Marek.

Auch unter Spielern umstritten

Aber wollen die Führungsspieler überhaupt in die Stadthalle zurück? Nicht unbedingt. Manuel Ortlechner, seines Zeichens Teilzeitkapitän der Austria, genießt die seltener gewordenen Urlaubstage. Zwar durfte er einst im Dress von Pasching das Flair des Turniers kennenlernen, auf die freien Tage im Dezember möchte er aber trotzdem nicht verzichten: "Es geht nicht nur um den Körper, auch der Kopf muss einmal frei von Druck und Leistungssport sein." Ein Blitzturnier in der ersten Jännerwoche sei vorstellbar, die Stimmung Pro und Kontra Hallenturnier schätzt er unter Profis ausgeglichen ein. Vor allem Spieler, die in Liga, Europacup und auch Nationalteam aktiv sind, würden dem Turnier aber nicht großartig nachtrauern.

Vienna wäre jederzeit startbereit

Mehr Schmerzen bereitet der Verlust des Turniers den kleineren Vereinen. Die Vienna ist der vorläufig letzte Stadthallensieger, dementsprechend wird das Turnier bei den Blau-Gelben auch vermisst. "Natürlich würden wir gerne wieder in der Stadthalle spielen", sagt Klubmanager Lorenz Kirchschlager, der auf die große Tradition verweist. Tot sei das Turnier noch nicht, aber zumindest im Tiefschlaf. Für Kirchschlager ging es in der Stadthalle nicht immer nur um Fußball, es sei zur Weihnachtszeit auch ein guter Treff für Fans aller Farben gewesen. Kirchschlager war einst selbst in der Organisation des Turniers tätig und würde es lieber heute als morgen wiederbelebt sehen, wohlwissend, dass die Signale aus Favoriten und Hütteldorf kommen müssen.

Das Talent ist da

Bis es so weit ist, müssen Österreichs Kicker ihr Ballgefühl in anderen Hallen unter Beweis stellen. "Mit geradezu spielerischer Leichtigkeit marschierte der Nachwuchs von Austria Wien durch das Turnier", schreibt das deutsche Fachmagazin "kicker" dieser Tage über den Auftritt der von Herbert Gager trainierten violetten U18 beim Sparkasse & VGH Cup. Mit zehn Siegen und einer Tordifferenz von 55:7 spielten sich die Wiener ins Endspiel von Göttingen, versammelten unter anderem Hertha BSC, den 1. FC Köln und Wolfsburg auf ihrer Abschussliste. Im Endspiel lief man defensiven Schalkern ins offene Messer, Eindruck konnte man trotzdem hinterlassen. Beifall soll das Publikum den Finalisten gespendet haben, der erst 15-jährige Sascha Horvath wurde gar zum Spieler des U19-Turniers gewählt. Ein Trainer geriet im "Göttinger Tageblatt" ob des Gesehenen ins Schwärmen: "Ich dachte, da spielt der FC Barcelona." (derStandard.at, 11.1.2012)

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    Ein Blick in alte Zeiten.

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