Eigenverantwortung nicht vergessen

2. Jänner 2012, 10:56
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Wohlbefinden, ein Geschenk der Götter? - Bücher "Körperglück" und "Glücksmedizin" von Werner Bartens

Irgendwie scheinen Anforderungsintensität und Bewältigungsfähigkeit zunehmend auseinanderzudriften. Auffallend, dass der Mensch in unseren Breiten physisch zwar immer älter wird, psychisch gleichzeitig aber immer stärker in die Bredouille zu geraten scheint. Nun ist es zur Gewohnheit geworden, die "üblichen Verdächtigen" dingfest zu machen. Nur dort wie hier sind diese üblichen Verdächtigen nicht unbedingt die Schuldigen, zumindest nicht die alleinigen. Sie bieten sich nur aus dem Moment heraus an.

Angesichts all des seelischen Leids, das die globalisierte Wirtschaftswelt im Gefolge hat, ist persönliche Stabilität, Widerstandsfähigkeit, Resilienz - so das heute geläufige Wort dafür - in dieser Welt nach Lage der Dinge bis auf weiteres weniger aus der Veränderung der Umstände heraus zu erwarten als aus der des Umgangs mit sich selbst.

Jeder ist seines Glückes Schmied. Diese steinalte Erkenntnis, auch Eigenverantwortung für das eigene Wohlergehen zu übernehmen, ist ein wenig aus dem Blick geraten. Im Gedankenaustausch fehlt denn auch der Hinweis darauf, dass Glück seinem Wesen nach keine Bring-, sondern eine Holschuld ist.

Womit das Stichwort für die Hauptdarsteller dieses Stücks gefallen ist, "Körperglück" und "Glücksmedizin", die beiden Bücher von Werner Bartens. Ihre Untertitel: "Wie gute Gefühle gesund machen" und "Was wirklich wirkt". Weshalb gerade diese beiden Titel? Der Mann ist Arzt und Medizinjournalist. Und er versteht sich erkennbar nicht als Guru oder Heilsbringer. Was er will und tut, ist, faktengestütztes Wissen zu dem Zweck zu vermitteln, um in der heftigen Brandung des Geschehens dieser Welt, insbesondere des Anforderungs- und Behauptungsgeschehens, bestehen zu können.

Leichthin führt Bartens in der Unterströmung seiner Bücher den Leser zu dem Erfassen von dem hin, was heute das Gebot der Stunde und die Voraussetzung für persönliches Wohlergehen, für physische wie psychische Stabilität ist: sich auf sich selbst zu besinnen, um im Strudel der Ereignisse mehr in sich zu ruhen und dadurch widerstandsfähiger zu werden. Initial in Körperglück, in dem er die für die meisten unbekannten, oft auch nur ausgeblendeten oder ganz verdrängten Zusammenhänge von seelischen Leiden und körperlichen Symptomen "erzählt". Darauf aufbauend in Glücksmedizin, wo er die einschlägige Angebotsfülle zur Selbstpflege und -stabilisierung in sinn- und weniger sinnvoll sortiert.

Weil der Einfluss der Seele auf den Körper so groß ist, "sollte es auch darum gehen, was den Menschen davor bewahren kann, in psychische und dadurch auch in gesundheitliche Not zu geraten", ist Bartens überzeugt.

Erst die Bereitschaft, eine gewisse persönliche Mit"-Schuld" an dem schwindenden Wohlbefinden mit all seinen Folgeerscheinungen in Betracht zu ziehen, öffnet die Tür zu dem einzig erfolgversprechenden Schritt aus der Gefahrenzone des Burnouts: die eigenen Arbeits- und Lebensgepflogenheiten auf ihre mögliche Unbekömmlichkeit mit der gebrauchten Widerstandskraft hin zu überprüfen. Das Wissen, das Bartens anbietet, macht diesen Schritt leichter. (Hartmut Volk/DER STANDARD, Printausgabe, 31.12.2011/1.1.2012)

  • Werner Bartens: "Körperglück - Wie gute Gefühle gesund machen". Knaur-Taschenbuchverlag, München 2011
  • Werner Bartens: "Glücksmedizin - Was wirklich wirkt". Droemer-Verlag, München 2011
  • Artikelbild
    foto: droemer-verlag
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