Palästinenser-Führung will Dialog mit Radikalen fortsetzen

7. Juni 2003, 16:41
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Die Hamas hatte zuvor die Gespräche abgebrochen

Ramallah/Gaza - Die Palästinensische Autonomiebehörde ist fest entschlossen, den Dialog mit den radikalen Oppositionsgruppen über eine Waffenruhe fortzusetzen. Der palästinensische Kulturminister Nabil Amer sagte am Samstag nach einer Regierungssitzung in Ramallah: "Der nationale Dialog ist eine strategische Entscheidung, und er wird mit allen Fraktionen fortgesetzt." Die radikal-islamische Hamas-Bewegung hatte am Freitag erklärt, der Dialog mit dem palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas über einen Stopp der Anschläge in Israel werde abgebrochen.

Der Hamas-Führer Abdel Aziz Rantissi bekräftigte dies erneut am Samstag. Man wolle die Kontakte erst dann wieder aufnehmen, wenn Premier Abbas (Abu Mazen) von seinen Erklärungen nach dem Nahost-Gipfel in Akaba abrücke. Abbas hatte dort am Mittwoch zu einer Beendigung des bewaffneten Aufstands aufgerufen und jegliche Gewalt gegen Israelis verurteilt.

"Alles nur noch schlimmer"

Amer sagte nach der Kabinettssitzung, bei der es um die Ergebnisse des Akaba-Gipfels mit US-Präsident George W. Bush und dem israelischen Regierungschef Ariel Sharon ging, eine Beendigung des Dialogs werde "alles nur noch schlimmer machen". Er lobte die Bemühungen der USA um die Verwirklichung des Nahost-Friedensplans und sagte, sie müssten "jede Unterstützung und Zusammenarbeit von unserer Seite erhalten". Er betonte: "Dies ist eine Gelegenheit für eine Lösung, und wir können nicht ignorieren, was Bush über den Stopp des Siedlungsbaus und einen unabhängigen, lebensfähigen und zusammenhängenden Palästinenser-staat gesagt hat."

Abbas wolle in Kürze vor dem palästinensischen Parlament über den Akaba-Gipfel sprechen und am Montag vor die Presse treten, um "mögliche Missverständnisse" aufzuklären, so Amer. Die Gespräche mit den Palästinenser-Gruppierungen über die palästinensisch-israelischen Vereinbarungen von Akaba sollen in den kommenden 48 Stunden stattfinden. Amer äußerte die Hoffnung, dass es dann zur Klärung der Gegensätze komme.

"Feind des Friedens"

Die US-Regierung hatte die radikale Palästinenser-Organisation Hamas am Freitag als "Feind des Friedens" bezeichnet, nachdem diese ihre Gespräche mit der palästinensischen Regierung über einen Waffenstillstand abgebrochen hatte. Dennoch werde US-Präsident George W. Bush seine Bemühungen um einen Frieden im Nahen Osten fortsetzen, sagte ein Sprecher des US-Präsidialamtes.

Nach offiziell nicht bestätigten Berichten soll der palästinensische Sicherheitschef Mohammed Dahlan im Bemühen um eine Entwaffnung der radikalen Palästinenser-Gruppen sogar angeboten haben, illegale Schusswaffen aufzukaufen. Nach palästinensischen Angaben bot Dahlan militanten Palästinensern bis zu 6.000 Dollar pro Gewehr an. Das Geld zur Finanzierung soll den Angaben zufolge aus amerikanischen und britischen Quellen stammen. Mitglieder verschiedener Oppositionsgruppen wiesen diese Berichte jedoch am Samstag zurück und sagten, ein solches Angebot sei ohnehin inakzeptabel.(APA/dpa/Reuters)

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