Frankfurter U-Bahn geht an einen US-Investor

6. Juni 2003, 19:58
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Auch Wiener Gemeinderat wurde tätig

Frankfurt - Die Stadt Frankfurt am Main verkauft ihr U- und Straßenbahnnetz an einen amerikanischen Investor. Mit den Stimmen von CDU, Grünen und FDP beschloss der Magistrat am Freitag ein so genanntes "Cross-Border-Leasing"-Geschäft.

Danach wird das gesamte Schienennetz einschließlich Tunneln, Gleisanlagen und dazugehörigen Bauwerken an eine US-Firma verkauft und von der Stadt auf voraussichtlich 99 Jahre zurückgeleast. Die im Viererbündnis der politischen Parteien in Frankfurt mitregierende SPD stimmte gegen das Geschäft. Die Mehrheit von CDU, Grünen und FDP im Stadtparlament reicht aber aus, es dennoch durchzusetzen. Zur Begründung des Vorhabens wird in dem Magistratsbeschluss auf die geringe Ausstattung der Stadtwerke mit Eigenkapital verwiesen. Der Anteil am Gesamtkapital, der dem Unternehmen unbegrenzt und ohne Fremdkapitalkosten langfristig zur Verfügung stehe, betrage in Frankfurt nur 7,6 Prozent. In Dresden liege die Eigenkapitalquote dagegen bei 67,7, in Köln bei 39,7 Prozent.

Auch der Wiener Gemeinderat diskutierte bereits ähnliche Modelle. Die Kanalröhren im 21. und 22. Bezirk gehören für 35 Jahre den USA, neue U-Bahn-Aufzüge, Triebwagen und Waggons werden ähnlich mit "Cross-Border-Leasing" finanziert, auch Graz, Innsbruck und Linz rechnen schon. ((DER STANDARD Printausgabe, 7./8.6.2003, AP, red)

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