Der pannonische Schweizermacher

27. Dezember 2011, 18:29
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Vor zehn Jahren übernahm der Schweizer Stefan Ottrubay das Haus Esterházy und führt dessen Geschäfte mit bürgerlichem Gewinnstreben

Eisenstadt - Vor zehn Jahren ist der Schweizer Stefan Ottrubay ins Burgenland gekommen. Und sein Auftrag war es - quasi -, keinen Stein auf dem anderen zu lassen. Jedenfalls dort nicht, wo über Jahrhunderte das burgenländische Herz schlug, im Hause Ester, bei denen von Esterházy also.

2001 war das Esterházy'sche Vermögen - 44.000 Hektar Grund und zahlreiche Immobilien - eine recht biedere, beinahe ärarische Domänenverwaltung, eine "geheimnisvolle Organisation" bezeichnet sie Stefan Ottrubay rückblickend. Heute, 2011, ist die Esterházy Betriebs GmbH ein großes, aber durchaus nachvollziehbar agierendes Unternehmen, das tut, was Unternehmen halt so tun: Umsätze maximieren, Gewinne schreiben. Zuletzt schafften die 280 Mitarbeiter einen Umsatz von knapp 38 Millionen Euro.

Das Esterházy'sche Vermögen wurde in drei Stiftungen eingebracht und wird von der Betriebs GmbH, der Ottrubay als Generaldirektor vorsteht, am Laufen gehalten. Und das tut der Schweizer, der zuvor für die bayrische Hypo-Vereinsbank seine Ostkontakte ins Spiel gebracht hatte, durchaus geschäftstüchtig, wie zuletzt auch das Land zur Kenntnis nehmen musste.

Das Problem im Landhaus

Der jahrzehntelange Mieter im Eisenstädter Schloss zerstritt sich mit seinem Vermieter, die Sache ist gerichtsanhängig, und wer in den vergangenen Jahren hineinhorchte ins bürgerliche Landhaus, konnte da und dort das alte Lied vom "Esterházy-Problem" hören, das am Ende der 1960er-Jahre unter dem kleinadeligen SP-Landeshauptmann Theodor Kéry schon verstimmt war.

Ottrubay - Neffe der "Fürstin", die 1920 als Melinda Ottrubay in Budapest zur Welt gekommen ist - sorgte freilich nicht nur in bürgerlichen Kreisen für Irritation. Den "regierenden" Hausherrn, Anton mit Namen, hat er ins Ausgedinge geschickt, eine gräfliche Verwandtschaft aus München auf den Klagsweg verwiesen, um die begehrte Apanage zu erhalten.

Mit der Esterházy'schen Märchenprinzerei - der alte Goethe nannte die einst ein "Feenreich" - wird man dem pannonischen Schweizermacher allerdings nicht wirklich gerecht. Was Stefan Ottrubay aus Zürich mit nach Eisenstadt gebracht hat, ist nämlich der europäische Blick. Unterfüttert durch die Stiftungsaufträge, arbeiten Ottrubay und seine Mitarbeiter an einer mitteleuropäischen Aufstellung des Unternehmens, aber auch des Landes. Esterházy schreibt einen zentraleuropäischen Kunstpreis aus, im Eisenstädter Schloss werden prominent kuratierte Ausstellungen von Zeitgenossen gezeigt. Central Europe revisited nennen sich die. Bösartig lassen sie sich verstehen als symbolhafte Wiederinbesitznahme des alten Esterházy-Raums. Aber die Betonung der andauernden geografischen Grenzüberschreitung lässt sich auch als schlichte Notwendigkeit lesen. Als etwas, das gerade die burgenländische Politik scheut wie der Teufel das Weihwasser.

Kulturviertel

Dieser Teufel scheut - in Zeiten des verordneten Klenkerns sowieso - auch das Klotzen. Stefan Ottrubay nicht. Jedenfalls entwirft er, der Krise quasi zum Hohn, hochfahrende Pläne in und um Eisenstadt. Die alte Idee eines Kulturviertels rund ums Schloss soll auch mit kulturtouristischem Leben gefüllt werden. "Wir haben eine Bedarfsstudie machen lassen: Ein mittelgroßer Konzertsaal fehlt in der Umgebung." Dazu zwei Hotels. Und alles in unmittelbarer Schlossnähe.

Das Schloss benötigt zur Generalsanierung zwischen 40 und 60 Millionen Euro, sagt Stefan Ottrubay. Esterházy allein kann das wohl nicht stemmen. Land und Bund haben aber Krise. Vorderhand. Denn in Eisenstadt, so Ottrubay, schlummert ein "kleines Juwel", das glänzen könnte "auf europäischem Niveau". (Wolfgang Weisgram/DER STANDARD-Printausgabe, 28.12.2011)

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