Tag der Befreiung statt Heldengedenken

22. Dezember 2011, 18:01
218 Postings

Regierung soll am 8. Mai Feier zur "Befreiung vom Nazi-Joch" am Heldenplatz planen

Wien - Auch am 8. Mai 2012 wird in Österreich wieder der Kapitulation Hitler-Deutschlands gedacht werden. Deutschnationale Burschenschafter treffen einander zu diesem Anlass traditionell zu einem "Heldengedenken" samt Kranzniederlegung für die Opfer des Zweiten Weltkriegs - vorrangig für die gefallenen Soldaten. Geht es nach Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP), wird es aber keinen Fackelzug von der Uni Wien zum Heldenplatz wie in diesem Jahr geben. Die Veranstaltung hatte die rechtsextreme Burschenschaft Olympia organisiert, der auch der Dritte Nationalratspräsident Martin Graf (FPÖ) angehört.

"Wer am 8. Mai mit Fackeln in der Hand am Heldenplatz steht und dort das Ende des Zweiten Weltkriegs bedauert, steckt so tief in der Vergangenheit, dass er keine Zukunft hat", schreibt Spindelegger in einer E-Mail an Ariel Muzicant, den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien. "Wir müssen unmissverständlich signalisieren, dass wir eine Haltung, welche die Befreiung vom Nazi-Joch als Niederlage begreift, klar ablehnen. Es wäre mir daher ein Anliegen, mich in der Bundesregierung dafür einzusetzen, dass die Bundesregierung den 8. Mai als Tag der Befreiung von der Nazi-Diktatur am Heldenplatz feierlich begeht." Die E-Mail liegt dem STANDARD vor.

"Es wird eine große Veranstaltung geben", bestätigt Muzicant. Genaueres konnte auch der Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde, Raimund Fastenbauer, nicht sagen. "Nach positiven Briefen von offiziellen Institutionen gehe ich aber davon aus, dass sowohl die Bundesregierung als auch die Stadt Wien die Feierlichkeiten mittragen werden." Neben der Israelitischen Kultusgemeinde sollen sich auch sozialdemokratische und grüne Organisationen sowie die evangelische und die katholische Kirche beteiligen.

Die Büros von Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Spindelegger bestätigten, dass die Bundesregierung die Bedeutung des 8. Mai politisch stärker hervorheben will. Dass das mit einer Teilnahme am Fest passieren soll, ist aber nicht fixiert. (David Krutzler, DER STANDARD, Printausgabe, 23.12.2011)

Share if you care.