Mobilkom prüft Übernahme der bulgarischen MobilTel

6. Juni 2003, 14:47
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Interesse an kroatischer UMTS-Lizenz - Rufnummernportabilität für 4. Quartal

Die Mobilkom Austria, 100-Prozent-Tochter der Telekom Austria (TA), prüft eine Übernahme der bulgarischen Mobilfunkfirma MobilTel. Die Mobilkom beteilige sich am laufenden Frühbieterverfahren und werde bis Ende Juni entscheiden, ob sie ein - nicht verbindliches - Interessensangebot legen werde, sagte Mobilkom-Generaldirektor Boris Nemsic am Freitag vor Journalisten. Außerdem interessiere sich die Mobilkom für eine UMTS-Lizenz in Kroatien und für einen Einstieg in Bosnien und Serbien.

Interesse

"Bulgarien gehört zu unserem Interessensgebiet", betonte Nemsic. Der bulgarische Mobilfunkmarkt sei angesichts der 29-prozentigen Penetration ein "Markt mit Wachstumschancen", führte Nemsic aus. Von Nachteil sei allerdings, dass das bulgarische Bruttoinlandsprodukt (BIP) weit unter dem Osteuropa-Schnitt liege, dass ein dritter Netzbetreiber wahrscheinlich sei, dass daher ein Sinken des durchschnittlichen Umsatzes pro Kunden (ARPU) zu erwarten sei und noch offen sei, ob UMTS eingeführt werde.

Versorgt

Über die MobilTel, die die dem österreichischen Industriellen und Ex-ÖVP-Obmann Josef Taus gehört, soll demnächst ein Verkaufsprozess eingeleitet werden. "Das dauert sicher noch ein halbes Jahr", so Nemsic. Der Wert der MobilTel wird von Analysten auf 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro geschätzt, als möglicher Kaufpreis wurde zuletzt 1 Milliarde Euro kolportiert. Ob dieser Preis gerechtfertigt sei, lasse sich erst nach einer Due Diligence-Prüfung sagen.

In aller Ruhe <>< "wir="" schauen="" uns="" das="" ganz="" trocken="" an",="" betonte="" nemsic.="" dass="" der="" verkäufer="" österreichisch="" sei,="" sei="" unrelevant.="" telekom="" austria-generaldirektor="" heinz="" sundt="" hatte="" in="" der="" letzten="" aufsichtsratssitzung="" sein="" aufsichtsratsmandat="" bei="" der="" bulgarischen="" mobiltel="" zurückgelegt,="" was="" von="" branchenkreisen="" als="" weichenstellung="" für="" eine="" mögliche="" übernahme="" gewertet="">

Vorgeschichte

Taus hatte die lukrative MobilTel, Marktführer im bulgarischen Handymarkt, im Jänner 2002 gemeinsam mit Investoren um 600 Millionen Euro übernommen. Zu den Investoren der MobilTel Holding GmbH gehören die Management Trust Holding AG (MTH), Cordt & Partner, die Bawag/P.S.K-Gruppe, Josef Taus selbst und die MS Privatstiftung der Familie des Geschäftsmanns Martin Schlaff. Prinzipiell sei die Mobilkom bereit für Akquisitionen, allerdings müsse ein "window of opportunity" bestehen, so Nemsic.

UMTS

In Kroatien, wo die Mobilkom ihre Beteiligung am Mobilfunkbetreiber VIPnet erst kürzlich von 80 auf 99 Prozent aufgestockt hat, sei man an einer UMTS-Lizenz interessiert, berichtete Mobilkom Austria-Generaldirektor Boris Nemsic weiter. Derzeit verhandle man aber noch mit dem Regulator über die Modalitäten der Lizenzvergabe, mit einer formellen Ausschreibung rechne man erst im zweiten Halbjahr 2003.

Preislicher Rahmen

Der Kaufpreis für eine der bis zu vier zur Vergabe stehenden kroatischen UMTS-Lizenzen sei derzeit mit 132 Millionen Kuna (17,5 Millionen Euro) veranschlagt, dazu komme noch eine bisher nicht näher definierte jährliche Gebühr für die Lizenz. Außerdem gebe es die Möglichkeit, eine UMTS-Lizenz in Kombination mit 1800er-GSM-Frequenzen zu kaufen, was für VIPnet interessant sei. Der Kaufpreis für das "Kombi-Paket" liege bei 177 Millionen Kuna. Nemsic bezeichnete diese Preise als "akzeptabel".

Einschränkung

Ein Einstieg der Mobilkom in Serbien und Bosnien wird indes nicht so schnell passieren. Bei den dortigen Telekomunternehmen seien die Eigentümerfragen noch nicht geklärt, in Bosnien seien die Privatisierungspläne erst in Ausarbeitung, berichtete Nemsic. Die Mobilkom sei aber jedenfalls am serbischen und bosnischen Markt interessiert.

Kooperation

Damit ein Mobilfunkunternehmen "nachhaltig profitabel" sei, müsse es "Teil einer globalen Allianz" sein, betonte Nemsic. Die Mobilkom sei mit ihrer Partnerschaft mit Vodafone daher gut aufgestellt. Die Vorteile dieser Kooperation lägen nicht zuletzt in der "Sicherung" der Roaming-Umsätze (Umsätze mit im Ausland geführten Gesprächen), die maßgeblich zu Umsatz und Gewinn von Mobilfunkunternehmen beitragen würden.

Einschätzung

Der kürzlich geschlossenen Mobilfunkallianz zwischen T-Mobile, Telecom Italia Mobile (TIM) und Telefonica Movile räumt Nemsic kaum Chancen ein. Es sei technisch fast unmöglich und brauche zu lange, für alle diese Unternehmen einheitliche Standards und Produkte zu entwickeln.

Vorhaben

Die Mobilkom sei gewillt, die mobile Rufnummernportabilität, die eine Mitnahme der Nummer bei einem Betreiberwechsel ermöglicht, im vierten Quartal 2003 einzuführen, berichtete Nemsic weiter. Die Rufnummernportabilität wird laut EU-Vorgabe im neuen Telekomgesetz, das letzten Angaben zufolge nächsten Mittwoch in den Ministerrat kommen soll, vorgeschrieben. Die Rufnummernportabilität werde dem Kunden aber "nicht viel Nutzen" bringen und koste der Mobilkom einen zweistelligen Millionenbetrag, meint Nemsic. Die Kosten und der Nutzen stünden daher in keiner Relation. Die Kosten für die Mitnahme der Nummer für den Handykunden würden voraussichtlich vom Regulator vorgegeben werden.(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Mobilkom-Chef Boris Nemsic zu Gast im Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien

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