Hohe Preise fetten Bauern-Einkommen auf

20. Dezember 2011, 14:04
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Das Einkommen der Bauern ist dank weniger Arbeitseinsatz, guter Ernte und Preisanstieg bei Fleisch und Milch gestiegen

Brüssel/Wien - Die österreichischen Bauern dürfen sich heuer trotz der negativen Auswirkungen der EHEC-Epidemie und des Dioxin-Skandals in Deutschland über einen deutlichen Einkommenszuwachs freuen. Das reale Agrareinkommen je Arbeitskraft legte 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 12,2 Prozent zu, nach einem Plus von 14,9 Prozent im Jahr 2010, geht aus der ersten Vorausschätzung der Statistik Austria hervor. Eine gute Ernte und Preisanstiege im Bereich Fleisch und Milch waren die Haupttreiber für das Einkommensplus, trotz stark gestiegener Produktionskosten.

Agrarförderungen machten heuer noch immer rund 60 Prozent des Faktoreinkommens aus und lagen damit nur geringfügig unter dem Vorjahresniveau (-0,4 Prozent). "Eine stabilisierende Größe für die Einkommensentwicklung in der Landwirtschaft sind die Förderungszahlungen", betonte die Statistik Austria.

Das Einkommen der Bauern ist naturgemäß deutlichen Schwankungen ausgesetzt, je nach Preislage auf den Agrarmärkten. Nach einem Rohstoffboom und einem deutlichem Anstieg 2006 (+10,8 Prozent) und 2007 (+12,6 Prozent) stürzten die Bauern-Einkommen 2009 um 22,9 Prozent ab. Das Faktoreinkommen je Arbeitskraft wird 2011 aber weiterhin unter dem Höchstwert aus dem Jahr 2007 liegen, liegt jedoch um rund 14 Prozent über dem Schnitt der vergangenen zehn Jahre.

Gute Ernte

Die Bauern durften sich 2011 in Österreich über hohe Produktionsmengen im Acker-, Gemüse- und Obstbau sowie eine gute Weinernte freuen. Außerdem erhöhte sich im Tierbereich das Produktionsvolumen leicht. Die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise lagen heuer laut Statistik Austria im Schnitt um 3,5 Prozent über dem Vorjahresniveau, wobei Preiseanstiege vor allem im Bereich Milch und Fleisch verzeichnet wurden. Bei pflanzlichen Produkten gingen die Erzeugerpreise im Vergleich zum hohen Vorjahresniveau im Mittel leicht zurück. Insgesamt führten das hohe Produktionsvolumen und die Preisentwicklung zu einem wertmäßigen Zuwachs für die Bauern.

Der landwirtschaftliche Gesamtproduktionswert zu Herstellungspreisen erhöhte sich gegenüber 2010 um 12,1 Prozent. Der Weinbau, die Rinderhaltung und Milchproduktion sowie der Obstbau waren die Haupttreiber für den Anstieg. Auch der Produktionswert von Getreide legte wegen des höheren Produktionsvolumen noch einmal zu.

Die Kosten für Betriebsmittel haben sich für die Bauern heuer deutlich erhöht, hauptsächlich wegen der Verteuerung bei Dünge- und Futtermitteln sowie Treibstoff. Der Wert der Vorleistungen legte im Vergleich zu 2010 um 11,1 Prozent zu, womit die Aufwendungen der Landwirtschaft für Vorleistungen einen neuen Höchstwert erreicht haben dürften, schätzt die Statistik Austria.

 

EU-Bauern

Das reale Einkommen der EU-Bauern ist im laufenden Jahr um 6,7 Prozent gestiegen, nach einem Wachstum von 12,6 Prozent im Vorjahr. Der Anstieg ergibt sich laut Eurostat aus einer Zunahme des realen landwirtschaftlichen Einkommens (+3,9 Prozent) in Verbindung mit einer Verringerung des landwirtschaftlichen Arbeitseinsatzes (-2,7 Prozent). Eurostat schätzt, dass zwischen 2005 und 2011 das reale landwirtschaftliche Einkommen je Arbeitskraft in der EU um 18,3 Prozent gestiegen ist, während der landwirtschaftliche Arbeitseinsatz um 15,2 Prozent fiel. Die Zunahme des Einkommens ergab sich 2011 hauptsächlich durch einen höheren Wert der landwirtschaftlichen Produktion zu realen Erzeugerpreisen (+7,5 Prozent), während reale Vorleistungskosten zunahmen (+9,7 Prozent).

Europa-Vergleich

Die höchsten Anstiege verzeichneten Rumänien (+43,7 Prozent), Ungarn (+41,8 Prozent), Irland (+30,1 Prozent), die Slowakei (+25,3 Prozent), Luxemburg (+25,2 Prozent), Tschechien (+23,5 Prozent), Bulgarien (+23,2 Prozent) und Dänemark (+20,2 Prozent). Die größten Rückgänge ergaben sich für Belgien (-22,5 Prozent), Malta (-21,2 Prozent), Portugal (-10,7 Prozent) und Finnland (-9,6 Prozent).

Das landwirtschaftliche Einkommen umfasst das in einem bestimmten Buchungszeitraum aus landwirtschaftlichen Tätigkeiten hervorgegangene Einkommen, auch wenn die entsprechenden Einkünfte in einigen Fällen erst später empfangen werden. Es ist nicht gleichzusetzen mit dem Gesamteinkommen der in der Landwirtschaft tätigen Haushalte, in das auch Einkommen aus anderen Quellen einfließt. (APA)

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