Wie Plech Meischbergers Testament regelte

19. Dezember 2011, 17:46
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Ernst Karl Plech, einstiger Aufsichtsratschef der Buwog, sagte als Zeuge aus. Er habe Walter Meischbergers Buwog-Provision angelegt und sei dessen "Testamentsvollstrecker" gewesen

Wien - Das Medienverfahren zur Buwog-Privatisierung ging am Montag weiter. Inhaltlich geht es darum, dass Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser seinen früheren Mitarbeiter Michael Ramprecht und Profil wegen übler Nachrede geklagt hat, nachdem Ramprecht ihm ein abgekartetes Spiel bei der Buwog-Privatisierung vorgeworfen hatte.

Zeuge am Montag: Immobilienmakler und Ex-Buwog-Aufsichtsratschef Ernst Karl Plech. Er sagte, er habe erst 2005, nach der Buwog-Privatisierung, von Walter Meischbergers Lobbyingtätigkeit für die Immofinanz erfahren. Der habe vor ihm von 2,5 Mio. Euro gesprochen (es waren fast zehn Mio. Euro; Anm.). "Ich war entsetzt", sagte Plech aus. Dennoch habe er Meischberger geholfen und die Provisionsgelder auf dem Liechtensteiner Konto "Karin" in Immobilien veranlagt. Er, Plech, sei Treuhänder, wahrer Eigentümer immer Meischberger gewesen.

Seine Zeichnungsberechtigung auf dem Konto begründete der Grasser-Vertraute damit, dass ihm Meischberger mündlich sein Testament gemacht habe: "Ich war sein Testamentsvollstrecker." Im Falle seines Todes hätte er alles an Meischbergers Töchter und seine Lebensgefährtin übermitteln sollen. Mit dem Geld kaufte Plech Immobilien. Aufzeichnungen, dass Meischberger der wahre Eigner war, durfte es nicht geben, denn Meischberger wollte weder in Firmen- noch Grundbuch je aufscheinen, beteuerte Plech.

Namensgeber aus der FPÖ

Wie der Standard schon berichtet hat, soll der Kontoname "Karin" nichts mit dem Namen von Plechs Frau zu tun haben: Meischberger habe das Konto nach der FPÖ-Politikerin Karin Landauer benannt: wegen der Verbindung von "Land" und "Immobilien". Dass er selber bei der Kontoeröffnung angab, er sei wirtschaftlich Berechtigter, sei ihm "im Eifer des Gefechts" passiert.

Richterin Nicole Bacszak wunderte sich mehrmals: Dass Plech als Buwog-Aufsichtsrat und oberster Eigentümervertreter der Republik die Buwog-Provision für Meischberger geheim veranlage, kam ihr "absurd" vor. Mit dem entscheidenden Zehn-Millionen-Euro-Tipp an Meischberger zum Finanzierungsrahmen des Immofinanz-Mitbewerbers habe er aber gar nichts zu tun, beteuerte Plech.

Grasser selbst war bei dem Gerichtstermin am Montag nicht dabei. Die Verhandlung geht am 20. Februar 2012 weiter.  (APA, red, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.12.2011)

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    Ernst Karl Plech

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