Wer sind die Schattenbanken?

16. Dezember 2011, 18:43
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Man zählt all jene dazu, die im weitesten Sinne am Kreditvergabeprozess mitwirken, ohne der Bankenregulierung zu unterliegen. 60 Billionen Euro sollen sie bewegen

Berlin - Politiker weltweit wollen sie regulieren - die Schattenbanken. Die umstrittenen Firmen haben die Finanzkrise von 2007/2008 mitverursacht und sollen künftig an die Kette gelegt werden. Neben Hedgefonds tummeln sich auch andere Finanzmarktakteure im "Shadow Banking" außerhalb der Aufsicht. Dies hat allgemein anerkannte Vorteile für die gesamte Wirtschaft, birgt aber auch systemische Risiken.

Als Lehre aus der Finanzkrise wollen die Regierungen der 20 größten Industrie- und Schwellenländern jedes Produkt, jeden Akteur und jeden Markt strenger überwachen. Dabei lag der Fokus zunächst auf Banken. Konkrete Pläne, auch Schattenbanken wie angekündigt näher unter die Lupe zu nehmen, gibt es aber noch nicht. Chefvolkswirt Siegfried Utzig vom Bankenverband BdB betont, im sogenannten "Shadow Banking" seien alle wichtigen Spieler des Finanzmarkts unterwegs - "von der Bank über den Hedgefonds bis hin zum institutionellen Anleger". Es sei ein normaler Bestandteil des Finanzmarktsystems. "Da ist nichts Anrüchiges, nichts Verbotenes", sagt der Experte der Privatbanken.

Kredite vergeben ohne Bank zu sein

Der Finanzstabilitätsrat (FSB) zählt zum Schattenbanksystem alle Marktteilnehmer, die im weitesten Sinne am Kreditvergabeprozess mitwirken, ohne der Bankenregulierung zu unterliegen. Ausgangspunkt sind oft Hypotheken oder Darlehen für Autos, Kreditkarten, Unternehmens- oder Leasingkredite. Schattenbanken handelten nicht in einer legalen Grauzone, sagt Utzig. Die Akteure nähmen vielmehr bankähnliche Funktionen wahr, ohne dabei wie Kreditinstitute kontrolliert zu werden. Anders als normale Geldhäuser haben sie auch keinen Zugang zur Einlagensicherung oder Zentralbankgeld. Als Schattenbanken gelten laut BdB etwa Broker-Dealer, Hedgefonds, Finanzinvestoren (Private Equity), Geldmarktfonds oder Nicht-Banken, die Hypothekenkredite vergeben.

Die Vorteile liegen für Utzig auf der Hand. "Shadow Banking" senke die Kosten und erhöhe die Verfügbarkeit von Krediten. Wenn man Unternehmenskredite von der Bankbilanz nehme, könne man Eigenkapital freischaufeln und letztlich mehr Kredite vergeben. Laut FSB waren Schattenbanken 2010 global mit einem Kreditvolumen von 60 Billionen Dollar (45,928 Billionen Euro) engagiert, Banken mit knapp 100 Billionen Dollar. Das Volumen der Schattenbanken verdoppelte sich in den Jahren vor der Finanzkrise, stagniert seitdem aber. Hedgefonds kommen demnach auf zwei Billionen Dollar, Geldmarktfonds auf etwa sechs Billionen Dollar.

Mehr Regulierung, mehr Sicherheit

Dass die Schattenbanken ihre Volumen künftig hochfahren, hält Utzig kurzfristig für unwahrscheinlich. Denn der Verbriefungsmarkt, der in der Finanzkrise als Brandbeschleuniger galt, sei quasi tot. "Niemand will das Zeug haben."

Doch die Schattenbanken gelten auch als Gefahr für die Stabilität des Finanzsystem. "Wir sehen die Notwendigkeit, dass dieser Bereich stärker reguliert wird als bisher", sagt Utzig. "Wir haben dort hochkomplexe Beziehungsgeflechte und Ketten von Geschäften, die erstmal durchleuchtet werden müssen, ob es da systemische Risiken gibt." Allerdings will die BdB-Lobbygruppe selbst von einer härteren Kontrolle verschont bleiben. "Wir fänden es nicht gut, wenn die Regulierung der Schattenbanken dazu führen würde, dass die Banken stärker reguliert würden", betont Utzig. Denn dann könnten auf die Institute zusätzliche Eigenkapitalanforderungen zukommen.

Der BdB sorgt sich zudem global über "ein gewisses Regulierungsgefälle". Vieles, was in den USA noch Schattenbankgeschäft sei, stehe in Europa bereits unter der Kontrolle der Aufsicht, sagt Utzig. (APA)

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