Rot-weiß-rote Wirtschaft schwächelt

15. Dezember 2011, 12:34
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Die Sparbemühungen in der Eurozone dämpfen die Konjunktur stärker als erwartet, Österreichs Wirtschaft bleibt ein Absturz erspart

Wien - Die österreichische Wirtschaft schwächelt zum Jahreswechsel zwar, stürzt aber nicht ab, heißt es im Bank Austria Konjunkturindikator. Der Indikator sank noch einmal geringfügig und liegt mit minus 0,5 Punkten den zweiten Monat in Folge im negativen Bereich. Während sich die Stimmung in der Wirtschaft nur langsam verschlechtere, dämpfe die Budgetkonsolidierung die Wirtschaft stärker als erwartet. Für 2012 rechnet die Bank Austria nur mehr mit 0,8 Prozent Wachstum.

Tiefpunkt noch nicht erreicht

Der Tiefpunkt des seit Mitte 2011 messbaren Abschwungs sei noch nicht erreicht, meint Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer. Aber "die Konjunktur befindet sich jedenfalls nicht im freien Fall, wie es in der Krise 2008/2009 zu beobachten war". Die österreichischen Konsumenten "blicken sehr beunruhigt in die Zukunft, sind jedoch viel optimistischer als im restlichen Europa". Ihre Stimmung habe sich im November sogar leicht verbessert, während die heimische Industrie ihre Geschäftsaussichten im November erneut ungünstiger einschätzte als im Vormonat, wird Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl zitiert.

Die Bank Austria rechnet zum Ende des laufenden Jahres mit einer Stagnation der heimischen Wirtschaft und mit einem "leichten Minus" für die ganze Eurozone. Für das Gesamtjahr schätzt Puschedl das Wirtschaftswachstum in Österreich auf 3,3 Prozent, in der Eurozone nur auf 1,6 Prozent. Die Gipfelbeschlüsse der vergangenen Woche sollten "zur zumindest langfristigen Milderung der bestehenden Verunsicherung in der Wirtschaft beitragen". Ob dies auch kurzfristig Beruhigung bringt und ob die verbesserte Liquiditätsversorgung des Bankensektors auch den Staatsanleihenmarkt beruhigen kann, sei nicht klar. Obwohl noch nicht sicher sei, ob die bisherigen Maßnahmen reichen werden, "gehen wir doch davon aus, dass die Eurozone die Mittel hat, die Krise zu beenden", verbreitet Bruckbauer Optimismus. "Eine erneute Rezession der österreichischen Wirtschaft erwarten wir daher weiterhin nicht".

Die Sparbemühungen in der gesamten Eurozone werden intensiver ausfallen als bisher angenommen, was die österreichischen Exporte "stark bremsen" wird. Da auch in Österreich die öffentliche Hand sparen wird, werden Konsum und Investitionen leiden. Für 2013 hofft Bruckbauer aber wieder auf einen BIP-Anstieg von zwei Prozent.

Bruckbauer geht davon aus, dass der Leitzins bei einem Prozent "seinen Tiefpunkt" erreicht hat. Allerdings sei "die Wahrscheinlichkeit, dass der Leitzins in den nächsten Monaten unter die Marke von 1 Prozent gesenkt wird, angesichts der Zurückhaltung der Zentralbank in Hinblick auf Anleihekaufe gestiegen". Gute Nachrichten gibt es für Konsumenten bei der Teuerungsrate: Die Inflation dürfte von heuer 3,2 Prozent auf nur noch 2,2 Prozent 2012 fallen. 2013 könnte sie dann im Zielbereich der EZB - knapp unter 2 Prozent - liegen. (APA)

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    Die Sparbemühungen in der gesamten Eurozone werden intensiver ausfallen als bisher angenommen, was die österreichischen Exporte stark bremsen wird.

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