"Werden neuen Aktionär genau beobachten"

Interview14. Dezember 2011, 18:29
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Warum Alexander Sollak Investor Ronny Pecik genau auf die Finger schauen will und eine Aufstockung des TA-Vorstands für übertrieben hält

Standard: Die Telekom hat einen neuen Großaktionär, die Marathon GmbH. Deren Vertreter, Herr Pecik, ließ über "Die Presse" wissen, er würde den Job des Telekom-Chefs für einen Euro machen und den Zweiervorstand auf vier aufstocken. Ist die Telekom schlecht gemanagt?

Sollak: Das sind populistische Aussagen. Insgesamt sehe ich das nicht so. Es gibt Teilbereiche, wo wir uns als Personalvertretung eine andere Philosophie wünschen, etwa in der Finanzpolitik und in der Dividendenpolitik insbesondere. Es wurden und werden viel zu hohe Dividenden gezahlt. Wir können verstehen, dass man alles ausschüttet, was an Überschuss da ist. Aber nicht nachvollziehbar ist für uns, dass in der Vergangenheit mehr ausgeschüttet als erwirtschaftet wurde.

Standard: Das kritisiert der Neo-Großaktionär auch. Er hat bei seinen Investments in der Schweiz aber vorexerziert, dass notwendige Investitionen und das Wohl der Gesellschaft nicht so sehr im Fokus standen wie ein guter Schnitt beim Weiterverkauf. Was werden Sie dagegen tun?

Sollak: Wir können uns die Aktionäre nicht aussuchen. Herr Pecik kauft seine Anteile über die Börse, das können wir nicht beeinflussen. Wir werden den neuen Aktionär aber genau beobachten, weil wir seine Vergangenheit bei VA Tech und Oerlikon kennen.

Standard: Pecik verlangt vier Aufsichtsratsmandate und eine Aufstockung des Zweiervorstands auf vier. Wäre diese Aufblähung in Zeiten anhaltenden Personalabbaus gerechtfertigt?

Sollak: Vier Vorstandsmitglieder halte ich für übertrieben. Ein dritter, der den CEO im operativen Geschäft unterstützt und entlastet, vielleicht. Das darf aber kein Versorgungsposten sein und müsste mit jemanden besetzt werden der unser Unternehmen, die Branche und unsere Märkte kennt.

Standard: Wie verlief Ihr Gespräch mit Herrn Pecik ? Was hat er als Ziele der Gruppe genannt?

Sollak: Er hat uns gesagt, dass er seine Eigentümerrolle aktiv gestalten will und in der Telekom viel Potenzial sieht.

Standard: Das sollte ja im Interesse der Belegschaftsvertretung sein. Gerüchteweise soll Pecik bereits mehr als 20 Prozent haben. Ist nicht jeder Aktionär besser als die Staatsholding ÖIAG, die - abgesehen von misslungenen Privatisierungsversuchen - zehn Jahre lang keine erkennbare Strategie für ihre Beteiligung erkennen ließ?

Sollak: Die Telekom ist durch den hohen Streubesitz leider zum Spielball von Investoren geworden. Angeblich haben auch Telenor (aus Norwegen, Anm.) und andere Interesse bekundet. Die unnötigen Privatisierungsschritte der schwarz-blauen Regierung in der Vergangenheit haben es ermöglicht, dass die Telekom Spekulationsobjekt an den Kapitalmärkten geworden ist.

Standard: Eben deshalb: Wäre nicht jeder beliebige strategische Investor besser als diese ÖIAG?

Sollak: Das glaube ich nicht. Aber die ÖIAG sollte den staatlichen Infrastrukturauftrag erfüllen. Denn das flächendeckende Netz der Telekom ist das Rückgrat des Wirtschaftsstandorts. Der Verbund ist durch das zweite Verstaatlichtengesetz vor Totalprivatisierung geschützt und in anderen Ländern ist der Staatsanteil von wichtigen Infrastrukturbetrieben gesetzlich verankert, etwa in der Schweiz. Ein Verkauf der Staatsanteile ist absolut abzulehnen. Eine Privatisierung gefährdet nicht nur Arbeitsplätze und das Headquarter in Wien, sondern auch den Ausbau der Informationstechnologie im Land. Deshalb brauchen wir eine Privatisierungsbremse.

Standard: In den vergangenen Jahren hat der Staatseinfluss bei der Telekom doch vor allem dreierlei produziert: Eine riesige Korruptionsaffäre, möglicherweise überteuerte Zukäufe in Osteuropa und Dividenden, die sich die Telekom nicht mehr leisten kann. Das spricht nicht für Staatseinfluss ...

Sollak: Es stimmt, Lobbyismus- und Korruptionsaffären und die schwierige wirtschaftliche Situation haben die Telekom in den letzten Monaten sehr beschäftigt. Das muss schonungslos aufgeklärt werden und Konsequenzen haben. Die Leidtragenden sind in erster Linie ja die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die direkten Kundenkontakt haben. Auch parteipolitische Einflussnahme hat nichts im Unternehmen verloren.

Standard: Ihre Vorgänger im Telekom-Betriebsrat stehen auch im Verdacht, vom früheren Vorstand korrumpiert worden zu sein. Arbeiten Sie an der Aufklärung ?

Sollak: Ich selbst bin erst seit 2010 im Holdingbetriebsrat. Indizien bezüglich Unregelmäßigkeiten sehe ich keine. Momentan ist eine Taskforce in der Telekom unterwegs, sie durchleuchtet den gesamten Konzern. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 15.12.2011)

Alexander Sollak (33) ist seit 2004 in der Mobilkom (Treasury und Cashmanagement) und wechselte 2009 ins Konzerntreasury der Telekom. Zuvor arbeitete er in der Creditanstalt, studierte Bank- und Finanzwirtschaft und ist seit 2010 Vorsitzender des Betriebsrats der Telekom-Austria-Holding.

  • "Die Telekom hat in den letzten drei Jahren eine Milliarde Euro an Dividenden ausgeschüttet, aber nur 240 Millionen Euro verdient", kritisiert Telekom- Betriebsrat Alexander Sollak.
    foto: standard/fischer

    "Die Telekom hat in den letzten drei Jahren eine Milliarde Euro an Dividenden ausgeschüttet, aber nur 240 Millionen Euro verdient", kritisiert Telekom- Betriebsrat Alexander Sollak.

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