Ein filmisches Fernrohr in die Zukunft

7. Dezember 2011, 10:59
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Großstädte und Herrschaft der Plastikflaschen - "MyLife 24/24" versammelt jugendliche Visionen des Alltags 2035.

Wien - Ein Haus, dann noch eins, dann noch eins. Es werden immer mehr, und sie sprengen die Grenzen. Wien wächst heißt der Videoclip von Franziska Weber. Sie ist eine der jungen Filmemacher, die sich bei "MyLife 24/24" über das Leben im Jahre 2035 Gedanken machten. Das Projekt versammelte 24 einminütige Filmchen zu einer Videokompilation. Die Idee entstand im Rahmen des Stadt-Umland- Managements Wien/Niederösterreich (SUM) und war Antwort auf die Frage, wie man Jugendliche am besten über ihre Zukunftsvorstellungen befragen könnte. Die bunte Collage wurde nun auf großer Leinwand präsentiert und prämiert.

Beam me up!

Thematisch beschäftigten sich die Filme mit verschiedenen Zukunftsvorstellungen, die von Naturschutz und technischem Fortschritt bis hin zu gesellschaftspolitischen Problemen reichten. So ging es im Kurzfilm Waste Wars von Valentin Lechner um die Weltherrschaft von Plastikflaschen. Ebenso kreativ agierte die Gruppe von Rupert Tömböl, die in ihrem Beitrag das Problem ungesunder Ernährung mithilfe eines Teddybären visualisierte.

Auch technische Innovationen erwarteten sich die Nachwuchsregisseure von der Zukunft: So wurde beispielsweise mehrfach die Möglichkeit, Gegenstände und Personen zu "beamen", zur Schau gestellt. Eine eher dystopische Zukunftswendung beschreibt der Kurzfilm des jungen Filmemachers Elias Hirschl. Er präsentierte die Horrorvision einer Gesellschaft, in der Individualität und Mitspracherecht der Bevölkerung zugrunde gingen. "Die Menschen werden unter Drogen gesetzt, und niemand weiß, wer eigentlich das Land regiert", erklärt er. "Ich finde es wichtig, die Entstehung einer Parallelgesellschaft, die alles kontrolliert, zu vermeiden."

Bereits einige Monate vor der großen Premiere wurde bei gemeinsamen Treffen fleißig an Ideen und Material gesammelt: "Wir haben wochenlang überlegt und zusammen Brainstorming gemacht. So haben wir Themen gefunden, mit denen wir uns beschäftigen wollen", erläutert Simon Casetti die Entstehung des Siegerfilms Der erste Schritt. Darin wird die Problematik rund um das Bevölkerungswachstum und die daraus resultierenden Folgen für die Stadt Wien behandelt und Lösungsvorschläge wie Citybiking und Carsharing dargelegt.

Dialog mit der Politik

Spontan entstanden sei im Gegensatz dazu der Beitrag Fassaden von Hirschl: "Meine Aufnahmen waren eigentlich nicht hierfür geplant, ursprünglich hatte ich das fünffache Material gefilmt und danach zusammengefügt." Umsonst waren die Bemühungen der Jugendlichen keinesfalls, denn die Videocollage wurde erneut bei der heurigen "Stadt-Umland-Konferenz" von SUM gezeigt. "Das soll den Dialog zwischen den Jugendlichen und den Entscheidungsträgern anregen", erklärt Maja-Iskra Vilotijevic von PlanSinn, Kooperationspartner des Projekts. (Mattias Fabian, Stefan Mayer, DER STANDARD, Printausgabe, 7.12.2011)

  • Haus um Haus wächst Wien: Jugendliche denken über das Jahr 2035 nach.
 
    foto: standard

    Haus um Haus wächst Wien: Jugendliche denken über das Jahr 2035 nach.

     

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