Lesung: Graben in Erinnerungen

5. Dezember 2011, 18:34
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Klemens Renoldner, auch Leiter des Stefan Zweig Centers, liest Dienstag und Mittwoch aus seinem ersten Roman "Lilys Ungeduld"

Innsbruck - Klemens Renoldner, Leiter des Stefan Zweig Centre in Salzburg, war dieser Tage ein gefragter Mann, galt es doch den 130. Geburtstag Zweigs - des großen europäischen Intellektuellen, der sich im Brasilianischen Exil 1942 das Leben nahm - zu feiern.

Nun nimmt sich Renoldner die Zeit und liest am Dienstag (Salzburg) und am Mittwoch (Innsbruck) aus seinem heuer bei Folio erschienenen Roman Lilys Ungeduld. Der Roman beleuchtet die komplexen Ursachen, die dazu führen können, einen jungen Menschen in den Selbstmord zu treiben. Der Titel des Romans erinnert an Zweigs Ungeduld des Herzens.

Die 24-jährige, scheinbar glückliche Lily stürzt sich eines Tages von einer Brücke in den Tod. Ihr Vater, ein erfolgreicher und angesehener Architekt, verliert daraufhin seine Sprache und sein Lebensgleichgewicht. Er quält sich mit Selbstvorwürfen, bricht jeden Kontakt zur Außenwelt - auch den zu seiner älteren Tochter Veronika - ab und vereinsamt in seinem Bauernhaus im Engadin. Mühsam erlernt er das Sprechen wieder. Nach zwölf Jahren bittet er seine Tochter Veronika, die in Berlin Kinderärztin und Mutter zweier Söhne ist, um ihren Besuch. Die Begegnung zwischen Vater und Tochter wird zum schmerzlichen Graben in Erinnerungen.

Renoldner (Jahrgang 1953) hat mit Lilys Ungeduld seinen ersten Roman vorgelegt. Er verfasste satirische Texte, Erzählungen und Essays, studierte Literatur und Musik und war an den namhaftesten deutschsprachigen Bühnen Dramaturg. Auch leitete er das Schauspiel an den Bühnen in Freiburg im Breisgau. (Dorothea Nikolussi-Salzer, DER STANDARD - Printausgabe, 6. Dezember 2011)

  • 6. 12.: Literaturhaus Salzburg, 20.00
  • 7. 12., Literaturhaus am Inn, 20.00
  • Klemens Renoldners Roman "Lilys Ungeduld" thematisiert eine tragische Familiengeschichte.
    foto: marko lipus

    Klemens Renoldners Roman "Lilys Ungeduld" thematisiert eine tragische Familiengeschichte.

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