Die Stimme, die zu Wiens Fahrgästen spricht

Blog6. Dezember 2011, 06:15
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Vor 43 Jahren wurde Franz Kaida zufällig entdeckt und macht bis heute die Ansagen der Wiener Linien

Hätte ich nicht gewusst, dass ich mit der Stimme der Wiener Linien telefoniere, wäre es mir wahrscheinlich nicht aufgefallen. Dabei spricht Franz Kaida täglich mehrmals mit mir - bei jeder einzelnen Station, die ich mit einem öffentlichen Verkehrsmittel in der Hauptstadt passiere. Seit 43 Jahren zeichnet der pensionierte Wiener Linien-Mitarbeiter für die Ansagen in den Öffis und den Stationen verantwortlich - und wurde nur durch einen Zufall entdeckt.

Als vor 47 Jahren die erste Straßenbahn in Wien ohne Schaffner geführt wurde, musste auch über die Notwendigkeit von Durchsagen in den Straßenbahnen nachgedacht werden. Doch mit der Suche nach der Stimme der Wiener Verkehrsbetriebe wurde erst nach vier Jahren begonnen. Allerdings gestaltete sich dies äußerst schwierig: Entweder waren die Stimmen zu hoch, zu tief oder irgendetwas Anderes passte nicht.

Einmal pro Woche im Studio

"Ich organisierte damals die Ausstellung '100 Jahre Tramway' im Technischen Museum mit", erinnert sich Kaida zurück. Ohne sein Wissen habe jemand ein Tonband, das er für die Schau aufgenommen hatte, der Jury zugespielt. Die Juroren waren sich einig: Das ist die perfekte Stimme. "Erst dann sind sie draufgekommen, dass ich sowieso bei den Wiener Linien arbeite", sagt Kaida. Deshalb erhielt er auch keine finanzielle Entschädigung für seinen Nebenjob - erst mit seiner Pensionierung vor sechs Jahren bekam er ein separates Honorar. 

Zu Beginn wäre der Sprechjob noch eine "langsame Einführung" gewesen. Immerhin dauerte es bis 1996, bis alle Straßenbahnlinien schaffnerlos unterwegs waren. Die ersten 10 bis 15 Jahre sei Kaida jede Woche etwa drei bis vier Stunden im Studio gestanden. Am Anfang habe er nur die Namen der Stationen einsprechen müssen. "Dann bemerkte man aber, dass Fahrgäste, die auf der Suche nach einer bestimmten Haltestelle waren immer nur ...straße verstanden", erzählt der ehemalige Sicherheitsbeauftragte Kaida.

Damit wurde die erste Neuerung bei den Ansagen eingeführt: der Gong. In weiterer Folge musste Kaida aber auch die Umsteigmöglichkeiten und Schwerpunkte, wie Museen oder Krankenhäuser, einsprechen: "Damals gab es noch keine digitale Technik. Da musste das komplette Tonband neu aufgenommen werden."

Probleme mit Ungarisch

Mit den Wiener Straßennamen habe er nie Probleme gehabt. Nur einmal hätte es Schwierigkeiten gegeben - als Wien gemeinsam mit Budapest im Jahr 1995 die Weltausstellung austragen wollte. Damals fuhren in der ungarischen Hauptstadt Busse der Wiener Linien, die auch mit den originalen Ansagen "ausgestattet" wurden. "Ohne die Hilfe eines ungarisch sprechenden Kollegen hätte in Budapest wahrscheinlich niemand gewusst, was ich sage", erinnert sich Kaida und lacht.

Obwohl es nun auch eine weibliche Stimme der Wiener Linien gibt, die für Fahrgastinformationen zuständig ist, muss Kaida immer noch regelmäßig vors Mikrofon: "Erst vor einer Woche war ich wieder im Studio." Und natürlich nach dem Ausbau der Linien U1 und U2. Außerdem käme es immer noch vor, dass man ihn anhand seiner Stimme erkennt und auch "für die Geburtstagsfeier der Oma engagieren möchte". (Bianca Blei, derStandard.at, 6.12.2011)

Aufruf: Haben Sie Wünsche oder Verbesserungsvorschläge an die Wiener Linien? Schicken Sie mir den ganzen Advent über Ihren Wunschzettel ans Öffi-Christkind. Ein Auszug aus den Einsendungen wird vor Weihnachten veröffentlicht und an die Wiener Linien weitergeleitet. Eine offizielle Antwort auf die Wünsche wird es im neuen Jahr geben.

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    Seit 43 Jahren spricht Franz Kaida zu den Fahrgästen.

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