Silber-Ionen gegen das "offene Bein"

5. Juni 2003, 13:05
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Wundverband gegen hartnäckige Geschwüre in Wien vorgestellt

Wien - Ein Verband mit "Mikrosilber" als Auflage soll hartnäckige Geschwüre abheilen lassen. Bei einer Pressekonferenz wurde am Donnerstag in Wien ein Wundverband vorgestellt, der für viele Patienten eine Hilfe darstellen könnte. Es handelt sich dabei um ein "Pflaster", das Silber-Ionen abgibt. Sie wirken vor allem keimstoppend.

"Wenn es um das Thema Ulcus cruris (Beingeschwür, "offenes Bein") geht, dann sprechen wir von einem Krankheitsbild, das eigentlich ein Symptom ist. Betroffen sind vor allem Menschen zwischen dem 60. und 80. Lebensjahr. Hochgerechnete Zahlen sprechen von über 150.000 Betroffenen, wobei aber die sicherlich erhebliche Dunkelziffer nicht eingeschlossen ist. Ein Drittel der angeführten Altersgruppe erlebt im Laufe ihres Lebens diese Wundheilungsstörung", erklärte Univ.-Prof. Dr. Beatrix Volc-Platzer, Vorstand der Abteilung für Dermatologie am Wiener Donauspital.

Häufigste Ursache

In rund 80 Prozent der Fälle ist die Ursache der Probleme eine so genannte CVI (chronisch venöse Insuffizienz): Das ist zumeist die Folge einer Venenklappeninsuffizienz - besser bekannt als Krampfadern -, bei der es zu Rückflussstörungen im venösen System kommt. Rund 15 Prozent sind in arteriellen bzw. kombinierten Blutflussstörungen begründet und der Rest entfällt auf andere Erkrankungen wie etwa Malignome. Eine besonders wichtige Sonderform des Ulcus cruris ist der "Diabetische Fuß".

Beatrix Volc-Platzer: "Die Grunderkrankung verläuft über Jahre. Der nachfolgende Lymphstau ist die Basis für eine lokale Stoffwechselsituation, die den Nährboden für das Ulcus (Geschwür, Anm.) darstellt. Vereinfacht könnte man von einer Art lokalem Stoffwechselproduktestau sprechen, der die Gewebefunktion massiv beeinträchtigt." Oft kommt es dann schon nach einem minimalen Trauma zu einer Wunde, die nicht mehr heilt. Oft werden solche "offenen Stellen" von Keimen wie Pseudomonas aeruginosa, Staphylo- oder Enterokokken "besiedelt".

Gegen Infektionen

Neben lokalen Maßnahmen stehen - so wurde bei der Pressekonferenz erklärt - verschiedene Formen des Kompressionsverbandes im Mittelpunkt der Behandlung. Eine neue Wundauflage mit aufgedampftem Silber soll jetzt eine neue Behandlungsmöglichkeit darstellen. Silber - so auch Dr. Thomas Wild von der Universitätsklinik für Chirurgie in Wien - ist bakterizid (keimtötend) und killt auch Pilze. Der Chirurg: "Das System ist besonders beeignet bei infizierten Wunden aller Art - insbesondere aber natürlich bei komplizierten Defekten wie dem Diabetischen Fuß, dem Beingeschwür oder dem Decubitus (Wundliegen bei Bettlägrigen, Anm.). Antibiotika sind heute in der Lokalbehandlung obsolet, denn sie führen zu Resistenzen und rechtfertigen ihre Kosten nicht." (APA)

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