Das Körperliche als Spiegel des Geistigen: Kokoschka-Grafiken

30. November 2011, 17:52
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Zeichnungen und druckgrafisches Oeuvre Oskar Kokoschkas im Rupertinum

Salzburg - Zeitlebens beschäftigte sich der österreichische Expressionist Oskar Kokoschka (1886 - 1980) mit der Physiognomie und dem Körper des Menschen. Wie vielschichtig er dieses Thema behandelte, zeigt eine Ausstellung im Rupertinum mit Leihgaben aus der Privatsammlung Willy Hahn. Der deutsche Musiker sammelte in seinen 92 Lebensjahren 90 Grafiken aus allen Schaffensperioden, 68 Blätter sind ausgestellt; ebenso wie das beinahe vollständige druckgrafische OEuvre aus der eigenen Sammlung des MdM. Nach dem Krieg pflegte Kokoschka eine enge Beziehung zu Salzburg, hier gründete er 1953 seine Schule des Sehens, die internationale Sommerakademie auf der Festung Hohensalzburg.

Herausragend in der sich über zwei Stockwerke erstreckenden Ausstellung sind Kokoschkas Porträts. In vielen seiner Menschenbilder (auch im Selbstbildnis aus dem Jahr 1920) sind in den Blicken geradezu düstere Vorahnungen der kommenden politischen Verhältnisse abzulesen. "Das Körperliche ist eine Spiegelung des Geistigen", hatte Kokoschka postuliert. Von den Nazis als "entartet" diffamiert, musste der Künstler nach England ins Exil fliehen.

Zu Kokoschkas optischen und malerischen Visionen bemerkt Peter Hahn, Sohn des Kunstsammlers: "Kokoschka zeichnete die Menschen oft so, wie sie erst Jahre später aussehen sollten." So sei es auch bei den Bildnissen gewesen, die Kokoschka von seinem Vater Willy Hahn gemacht und der sich damit gar nicht zufrieden gezeigt habe.

Schwerpunkt der im Rupertinum ausgestellten Zeichnungen ist der Zyklus über Alma Mahler, mit der er eine obsessive Beziehung hatte. Nach dem Auseinanderbrechen der Beziehung hatte sich Kokoschka eine lebensgroße Alma-Mahler-Puppe anfertigen lassen, die er zeichnete.

Waren die Arbeiten anfangs von einem locker-leichten Strich geprägt, so verfestigte sich sein Stil später, wurde fast skulptural . Von Bleistift, Kohle und Tusche wechselte er zunehmend zum Farbstift. Auf dem internationalen Kunstmarkt werden Kokoschkas Bilder übrigens nur selten angeboten, was die Preise für seine Werke enorm beflügelt hat.  (Christian Weingartner  / DER STANDARD, Printausgabe, 1.12.2011)

Bis 29. 1. 2012

  • Oskar Kokoschka: Selbstbildnis aus dem Jahr 1920.
    foto: mdm/hahn

    Oskar Kokoschka: Selbstbildnis aus dem Jahr 1920.

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