"Willkommen in der US-besetzten Zone von Akaba"

4. Juni 2003, 16:04
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Für Gipfel-Sicherheit waren ausschließlich die USA zuständig - Höchste Terroralarmstufe in Israel

Jerusalem/Akaba - Der israelische Diplomat konnte sich ein breites Grinsen nicht verkneifen: "Willkommen in der US-besetzten Zone von Akaba!" rief er einem verzweifelten Journalisten zu, der vor dem Delegationshotel am Strand der jordanischen Hafenstadt am Roten Meer versuchte, eine Verbindung zur Heimat zu bekommen. Akaba glich am Mittwoch einer belagerten Festung. Rund 2500 Elitepolizisten hatte die königliche Regierung in Amman aufgeboten, um mögliche Demonstrationen oder gar Terroranschläge zu verhindern.

Die Hälfte von Akaba war abgeriegelt

Die Hälfte des Städtchens mit seinen etwa 40.000 Einwohnern war abgeriegelt. Das Hotel mit den Delegationen der Israelis, Jordanier und Palästinenser war - bei 35 Grad im Schatten - nur zu Fuß zu erreichen. Für die Sicherheit, so gaben jordanische Vertreter zu verstehen, waren "ganz allein die Amerikaner zuständig". "Bush, Bush", meinte ein Taxifahrer achselzuckend, der einen Konferenzbeobachter vor einer Straßensperre absetzen musste.

Schlechte Infrastruktur für Medienvertreter

Um die aus Washington mitreisenden rund 120 Medienvertreter in deren modernem Pressezentrum auf die Schnelle mit Leitungen versorgen zu können, mussten andere Hotels "leiden". Im jordanischen Pressezentrum, das dem "Rest der Welt" - mehreren hundert ausländischen Journalisten - zur Verfügung stand, gab es ganze fünf PCs, zwei davon mit arabischem Betriebssystem. Die jordanische Telekom hatte zudem sonst anderweitig vergebene Leitungen kurzfristig ins US-Pressezentrum geschaltet, hieß es. Die Verbindung zur Außenwelt gelang den übrigen Medienvertretern auch mit dem Handy nur zufällig. "Gehen Sie doch an den Strand, da ist die Verbindung besser", schlug ein Hotelier einem ausländischen Gast vor, der stundenlang vergeblich versuchte, ins Ausland zu telefonieren. Am Ende gelang es ihm ein Mal - vom Dachgeschoß im fünften Stock des Hotels.

Israel: 60 konkrete Warnungen über geplante Anschläge

In Israel herrscht am Tag des Nahost-Gipfels in der jordanischen Stadt Akaba höchster Terroralarm. Der israelische Armeerundfunk meldete am Mittwoch, es lägen mehr als 60 konkrete Warnungen über geplante Anschläge vor. Tausende von Polizisten patrouillierten im Grenzgebiet zwischen dem besetzten Westjordanland und Israel sowie an den Einfahrten großer Städte. In Jenin im Westjordanland verhängte die Armee eine Ausgangssperre, weil konkrete Informationen darüber vorlagen, dass eine Gruppierung aus dieser Stadt einen terroristischen Angriff plante. Eine vor zwei Tagen in Ramallah verhängte Ausgangssperre wurde am Morgen wieder aufgehoben.

Sabotage des Dreiergipfel als Ziel

Aus israelischen Geheimdienstkreisen verlautete, Exil-Führer radikaler Palästinensergruppen im Libanon und Syrien drängten Aktivisten im Westjordanland und dem Gaza-Streifen dazu, Anschläge zu verüben. Ziel sei es, den Dreiergipfel zwischen US-Präsident George W. Bush, dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon und dem palästinensischen Regierungschef Mahmud Abbas (Abu Mazen) zu sabotieren. (APA/dpa)

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