Leben inmitten von Schnittmustern

3. Juni 2003, 20:45
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Gabriele Strehle ist eine der bekanntesten Modemacherinnen Deutschlands. Sie hat die Marke Strenesse geschaffen, eine Marke, die sich durch Schlichtheit auszeichnet, bei Topqualität.

Ähnlich das Weltbild von Strehle, das so gar nicht in das Schema der durchschlagskräftigen Karrierefrau passt, die sich von ganz unten in die lichten Höhen der großen Modemacher hinaufgearbeitet hat: Strehle schreibt viel über ihre Allgäuer Kindheit und über den Perfektionismus, der auch ihr Privatleben bestimmt. Beim Kochen wird auf Authentizität Wert gelegt (Schnitzelpanier nur mit handgeriebenen, frischen Bröseln), Bettwäsche (auf Kante gebügelt) nur aus Leinen), einen Anspruch beim Putzen, der nicht leicht mit dienstbaren Geistern erreichbar ist.

Andererseits findet sich diese kompromisslose Hinwendung zu Qualität natürlich in ihrer beruflichen Arbeit. Nach Strehle gibt es nur zwei Kategorien von Gegenständen auf der Welt: solche mit und solche ohne Qualität. Die mit erkennt man daran, dass sie gut altern und dass es sich lohnt, sie zu reparieren, zu pflegen, zu erhalten.

Doch wirken diese persönlichen Bekenntnisse, auch die oft genannten Ängste auf dem Weg zur Bekanntheit, manchmal aufgesetzt. Ein Traumichnicht, das sich dann ja doch traut. Der interessierte Leser würde sich mehr Informationen darüber wünschen, wie der Modemacherinnenweg zu schaffen war, insbesondere in Deutschland, einem Land, das sich durch keine besondere Modegesinnung hervorhebt. Und wie ein so wenig ökonomisch denkender Mensch ein Unternehmen leitet. Die sehr schönen Bilder aus der Kindheit, von ihrem arbeitsreichen Leben und von den - wie sie es nennt - "hautigen" Kleidern entschädigen. (Johanna Ruzicka/DER STANDARD, Printausgabe 04.06.2003)

Gabriele Strehle, Eva Gesine Baur:
Ob ich das schaffe. Der andere Weg zum Erfolg
Deutsche Verlags-Anstalt
München 2002
€ 22,-
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