Die Jobsuche wird immer schwieriger

4. Juni 2003, 13:21
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Zahl der Arbeitslosen im Mai weiter gestiegen - Überdurchschnittliche Zunahme bei Akademikern

Wien - Die weit und breit einzig positive Nachricht vom Arbeitsmarkt ist derzeit, dass im Mai wegen der guten Witterung die Zahl der Arbeitslosen in der Bauwirtschaft rückläufig war. Die Zahl der arbeits^losen Bauarbeiter ging konkret um 4,8 Prozent auf 27.370 Jobsuchende zurück.

Ansonsten ist "kein Anzeichen für einen Konjunkturaufschwung" und einer damit einhergehenden Erholung auf dem heimischen Arbeitsmarkt auszumachen, bestätigte der Vorstandsvorsitzende des Arbeitsmarktservice Österreich, Herbert Buchinger, im Gespräch mit dem STANDARD. Jede optimistische Aussage über einen ^Aufschwung im zweiten Halbjahr 2003 sei derzeit reines Wunschdenken oder, wie es Buchinger umschreibt, "Liebe, Hoffnung, Grießschmarrn".

Die lang anhaltende Flaute auf dem Arbeitsmarkt spiegle sich nun insbesondere in den Daten der Langzeitarbeitslosigkeit markant wider. So stieg im Mai die Zahl jener Arbeitslosen, die bereits länger als ein Jahr auf Jobsuche sind, um 39,6 Prozent auf 18.115 Personen.

Anstieg: 3,4 Prozent

Der generelle Anstieg der Arbeitslosigkeit im Mai um 3,4 Prozent auf 214.955 Jobsuchende - im Vergleich zum bereits hohen Ausgangsniveau im Mai 2002 - liegt für Buchinger im "Rahmen der Erwartungen". Überraschend sei seit Jahresbeginn lediglich der "positive Ausreißer" im April gewesen, als die Arbeitslosenzahl ganz leicht gesunken war. Dabei sind in den Arbeitslosendaten jene 44.912 Jobsuchende, die derzeit in AMS- Schulungen sind, noch gar nicht enthalten.

Neben den Langzeitarbeitslosen fiel vor allem der Anstieg der Akademikerarbeitslosigkeit mit 16 Prozent auf 6427 Betroffene überdurchschnittlich aus. Kräftig angezogen hat wegen den geänderten Zugangsbestimmungen in die vorzeitige Alterspension auch die Arbeitslosigkeit unter den 55- bis 59-Jährigen (plus 8,7 Prozent) bzw. den über 60-Jährigen (plus 13,4 Prozent). In der Alterskategorie 50 bis 54 sank die Arbeitslosigkeit um 3,7 Prozent.

0,2 Prozent mehr Jobs

Auf der Beschäftigungsseite vermeldet Wirtschaftsminister Martin Bartenstein einen Anstieg um 30.417 neue Dienstverhältnisse, was im Vorjahresvergleich einem Plus um 0,96 Prozent auf 3,186.611 Unselbständige entspricht. Experten des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger relativieren diesen Anstieg. Hier würde die markant gestiegene Zahl (plus 25.016) an Karenzgeldbezieherinnen mitgerechnet. Ohne Karenz- bzw. Kindergeldbezieherinnen machte das Beschäftigungsplus im Mai nur 5146 neue Jobs oder einen Anstieg um 0,2 Prozent aus.

Mit Ausnahme von Oberösterreich stieg die Arbeitslosigkeit in allen Bundesländern. Auch auf dem Lehrstellenmarkt lässt die Erholung auf sich warten: 3459 (plus 13,5 Prozent) bemühen sich derzeit eine der konstant 2842 offenen Lehrstellen zu ergattern.

Die Arbeitslosenrate in Österreich betrug im Mai nach EU-Kriterien unverändert zum Vormonat 4,3 Prozent. Für die EU liegen nur die Daten für den Monat April vor: Die Arbeitslosenrate stieg im April von 8,0 Prozent (März) auf 8,1 Prozent. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 4.6.2003)

  • Der Anstieg der Arbeitslosigkeit ist auch im Mai wieder im Fokus.
    montage: derstandard.at

    Der Anstieg der Arbeitslosigkeit ist auch im Mai wieder im Fokus.

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