Öffi-Fahren oder wie man in einem Jahr drei Kilo abnimmt

Blog29. November 2011, 07:41
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Kniebeugen, 100 Meter Sprints oder Hot Yoga - in den Öffis kann man fit bleiben

Bei Diskussionen im Freundeskreis habe ich endlich ein schlagkräftiges Argument für die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln gefunden. Es macht schlank und hält fit. Laut einer Studie aus dem Jahr 2010, die im American Journal of Preventive Medicine veröffentlicht wurde, nahmen ÖffinutzerInnen innerhalb eines Jahres drei Kilogramm ab. Ganz im Gegensatz zu der autofahrenden Vergleichsgruppe. Versuchsleiter John M. MacDonald riet daraufhin, den Nahverkehr auszubauen und mehr Menschen zu animieren, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Dadurch biete sich "die Möglichkeit, die Fettleibigkeit der Bevölkerung zu reduzieren." 

Argumentiere ich also mit der Studie, bekomme ich aber immer wieder die gleiche Frage gestellt: "Wie soll man denn mit Öffi-Fahren abnehmen?" Binnen kurzer Zeit sind mir aber - ganz unwissenschaftlich untersuchte - Beispiele eingefallen, wie man sich in den öffentlichen Verkehrsmitteln fit halten kann:

  • Die offensichtlichste Übung ist der 100 bis 200 Meter Sprint. Den lege ich fast täglich auf dem Weg zur Straßenbahn hin. Je nachdem, wie weit ich noch von der Bim entfernt bin oder wie schnell sie ohne mich abfährt. 
  • In der Straßenbahn dann, bieten Kinderwägen, die man in die Waggons hieven hilft, ein solides Oberarmtraining. Auch ältere oder gebrechliche Personen, denen man den Sitzplatz anbietet und die mit einem "Bleiben's ruhig sitzen" ablehnen, unterstützen die persönliche Fitness. Durch das Aufstehen und gleich wieder hinsetzen ist es fast so, als würde man Kniebeugen machen.
  • In den neuen U-Bahn-Garnituren Wiens erhält man durch den Mangel an Haltegriffen während des Fahrens ein gutes Balancetraining - und kann auch im Winter für die sommerliche Performance am Surfbrett oder Skateboard üben. 
  • Aber auch wenn man einen Sitzplatz in der U-Bahn ergattert hat, muss man nicht auf das Training verzichten. Befindet sich unter dem Sitz etwa eine der Heizungen, die im Winter auf gefühlte 80 Grad Celsius erhitzen, muss man nur abwechselnd die Beine übereinanderschlagen und schon hat man eine günstige Session Hot-Yoga (Bikram).
  • Auch American Football gibt es in der Öffi-Variante. Wenn sich zu Stoßzeiten die meisten Personen rund um die Ein- und Ausstiege drängen (obwohl die Gänge zwischen den Sitzplätzen leer sind), dann heißt es: Tasche unter den Arm, Kopf einziehen und ab durch die Menschenmenge.
  • Strömen bei stark frequentierten Stationen viele Leute in die U-Bahn (oder Bus oder Bim) und gibt es nur ein paar Sitzplätze, kann man Schnelligkeit und Reaktionsfähigkeit trainieren. Denn dann startet ein Gedränge, das an den "Sesseltanz" vom Kinderfasching erinnert.

Die Antwort einer Bekannten nach meinen Beispielen: "Na dann wundert's mich aber, wieso man nur drei Kilo pro Jahr abnimmt." Mich auch. (Bianca Blei, derStandard.at, 29.11.2011)

Fallen Ihnen noch weitere Öffi-Situationen ein, bei denen man sich sportlich betätigt? Wenn ja, dann posten Sie diese ins Forum oder schreiben Sie mir ein Mail.

Aufruf: Haben Sie Wünsche oder Verbesserungsvorschläge an die Wiener Linien? Schicken Sie mir den ganzen Advent über Ihren Wunschzettel ans Öffi-Christkind. Ein Auszug aus den Einsendungen wird vor Weihnachten veröffentlicht und an die Wiener Linien weitergeleitet. Eine offizielle Antwort auf die Wünsche wird es im neuen Jahr geben.

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    Die offensichtlichste Übung ist der tägliche 100 bis 200 Meter Sprint zur Bim.

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