Guten Sekt gibt's auch billig

24. November 2011, 14:24
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Das Glaserl zum Anstoßen muss nicht teuer sein, woher der "Rohstoff" für das Blubberwasser kommt, ist aber oft unklar, hat "Konsument" herausgefunden

Wenn zu Silvester um Mitternacht die Feuerwerkskörper den Himmel bunt einfärben, spätestens dann knallen auch die Sektkorken in den Wohnzimmern oder auf den Straßen. Es ist Hochsaison für das perlende Getränk, Weihnachtsfeiertage, Jahreswechsel und der eine oder andere Ball sind das natürliche Gehege des Sekts.

Doch, und das wird den einen oder anderen Weingourmet aus den Socken hauen: Guter Sekt muss nicht teuer sein. Das ist das Fazit einer Blindverkostung des Vereins für Konsumenteninformation (vki). Weinexperten wie Laien testeten sich durch 27 verschiedene österreichische und deutsche Produkte, eines davon alkoholfrei. Preislich bewegten sich die Testobjekte zwischen 1,50 und 13 Euro. Sie sind also durchaus im Hausverbrauchs-Bereich, und allesamt in heimischen Supermärkten zu erwerben.

Die Sektproben wurden zudem im Labor untersucht. Gemeinsam mit den Experten- und Laientests ergab sich folgendes Urteil: 23 Sekte schnitten mit "gut" ab, die ersten elf liegen punktmäßig ganz knapp beieinander, Testsieger ist die deutsche Marke Ritter - die kostet im Einzelhandel 1,94 Euro. Nur ein Sekt hat den Test nicht bestanden: Der Bio-Sekt Rittsteuer Primus brut erhielt wegen weniger Alkoholgehalts als am Etikett angegeben und zu wenig Kohlensäure ein "nicht zufriedenstellend".

Markt wächst

Der Sekt-Markt ist zumindest bis zum Vorjahr nur leicht gewachsen, 2010 wurden in Österreich ungefähr 22 Millionen Flaschen geleert. Preissteigerungen und die anhaltende Krise sorgten auch für eine leichte Delle im ersten Halbjahr 2011, das Weihnachts- und Silvester-Geschäft stehen aber noch aus. Zirka zehn Prozent der österreichischen Rebfläche werden zur Sektgrundweinerzeugung genutzt.

Wer nun aber glaubt, dass da, wo österreichisch draufsteht, auch rein-österreichisch drin sein muss, der irrt. Der vki-Sekt-Test hat sich zwar in erster Linie auf Geschmack, Blubbervermögen und Schwefelgehalt konzentriert, die Herkunft der Trauben war nicht vordergründig bewertet worden. Allerdings habe man die Produzenten durchaus nach der Herkunft der Trauben gefragt, und die Informationsfreudigkeit der Hersteller bewertet, berichtet Franz Floss, Geschäftsführer des vki, am Donnerstag. Und da gibt es doch einige schwarze Schafe: drei Unternehmen gaben gar keine Auskunft, darunter auch der Hersteller jenes Sektes, der den Experten am besten schmeckte (Monte Christo). 

Herkunft unklar

Bei neun der getesteten 27 Sekte sind die Trauben nicht ausschließlich österreichischer Provenienz. Das mag jetzt wenig wundern, wenn eben auch deutsche Sektsorten unter den Testobjekten waren. Schwierig für den vki sind aber jene Blubberwässer, bei denen "österreichische Traditionsmarke" oder ähnliches am Etikett zu finden ist. Denn das heiße laut Floss nicht viel. Lediglich ein Großteil der Gesamterzeugung muss auf österreichischem Boden stattfinden, das kann die Abfüllung genauso sein wie die Sekterzeugung. Woher allerdings die Trauben für den Sekt stammen, das ist nicht geregelt. Floss wünscht sich daher eine einheitlichere Herkunftsauszeichnung, damit der Konsument letztlich auch weiß, was er kauft.

Grundsätzlich wird Sekt in Österreich meist aus Trauben des Grünen Veltliners oder Welschrieslings produziert, oft auch als Cuvée. Sekt gehört zur Familie der Schaumweine, ist verwandt mit dem Champagner oder dem Cava. Birgit Beck, Ernährungswissenschafterin beim vki, erklärt, dass Sekt ein Frischeprodukt ist, und eine Haltbarkeit von zirka einem Jahr hat. Für den Konsumenten sei es aber ein Glücksspiel, gebe es doch auf keiner der Sektflaschen eine Haltbarkeits- oder Produktionsdatumspunze. Beck rät daher, Sekt eher in Geschäften mit großer Umschlagsgeschwindigkeit zu kaufen, und nicht die "verstaubten Flaschen ganz hinten im Regal" zu nehmen. 

Einen Tipp zum Kühlen von Sekt gibt Beck schließlich auch noch: Sekt mag keine großen Temperaturschwankungen. Die noch zu warme Flasche also geschwind einmal in den Tiefkühler zu packen, ist nicht der beste Plan. Stattdessen Eiswürfel mit zwei Löffel Salz in einen Sektkühler oder ein zweckentfremdetes anderes Gefäß geben, umrühren und die Flasche rein. Nach gut zehn Minuten weiterem Rühren hat man die Flasche Sekt mittels der Verdunstungskälte auf die ideale Trinktemperatur von fünf bis sieben Grad Celsius gebracht. Prost! (rom, derStandard.at, 24.11.2011)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Das ist Madonna, die trinkt gerade irgendein Blubberwasser aus der Flasche. Sehr unwahrscheinlich, dass sie sich auf dem Bild gerade mit Billig-Sekt vergnügt, es wird wohl eher ein sauteuerer Champagner sein. Die Zeitschrift "Konsument" hat herausgefunden, dass in Österreich auch billige Sekte trinkbar sind, sie schmecken dem Laien genauso wie dem Fachmann. Aber Frau Madonna braucht schließlich auch nicht aufs Geld schauen.

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