Kinderanwältin fordert Mobbing- und Gewaltpräventionsstelle

23. November 2011, 15:09
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Schüler schweigen über Übergriffe - Lehrer setzten zu wenig Sanktionen

Mobbing an Schulen ist schon seit Jahren ein Thema. Eine zentrale Stelle, an die sich Betroffene, Lehrer oder Eltern wenden können, gebe es aber in Salzburg nicht, kritisiert Kinder- und Jugendanwältin Andrea Holz-Dahrenstaedt anlässlich einer Mobbing-Fachtagung in Salzburg. „Kinder und Jugendliche werden oft in ihrer Not allein gelassen", betont die Jugendanwältin, deshalb würden sie auch oft über die psychischen und physischen Übergriffe von anderen Mitschülern schweigen.

„44 Prozent der Mobbingopfer erzählen niemanden von den Vorfällen", bestätigt auch die Mobbingexpertin Mechthild Schäfer. 27 Prozent reden mit Freunden. Zu den Eltern sagen nur 16 Prozent der Mobbingopfer etwas und nur jedes zehnte Opfer wendet sich an Lehrer. „Mobbing ist kein neues Phänomen", erläutert Schäfer. Nur die Form der Aggression habe sich geändert. Die Schüler werden nicht mehr verprügelt, sondern, mit einem deutlichen Machtgefälle über einen längeren Zeitraum hinweg, wiederholten Angriffen ausgesetzt. Ziel ist es immer das Opfer sozial auszugrenzen oder zu isolieren.

Workshops an Schulen

Die Kinder- und Jugendanwaltschaft (Kija) Salzburg setzte sich im letzten Jahr das Thema Mobbing in Schulklassen zum Schwerpunkt. In über 20 Schulen in Salzburg leitete die Kija Workshops, in denen sie mit mehr als 3.200 Kindern und Jugendlichen über das Thema sprach und eine Fülle an Erfahrungen sammeln konnte. Ziel der Workshops war es, die Schüler über das Thema aufzuklären, zu sensibilisieren und ihre emotionalen und sozialen Kompetenzen zu stärken. Mit Erfolg. Die Rückmeldungen von Lehrern und Schülern bestätigten, dass sich nach den Workshops das Klassenklima verbesserte und weniger Gewalt in den Schulen vorherrschte.

Schüler fordern Sanktionen für Täter

Die Schüler gaben auch selbst Vorschläge, wie Mobbing bekämpft werden könnte. Als wichtigste Maßnahme sehen die Schüler Gespräche in der Klasse zu führen. Aber auch die Lehrer sehen die Schüler gefordert: Mehr Teamarbeiten und Projekte, sowie Übungen für einen besseren Klassenzusammenhalt sollten nach Meinung der Schüler in den Unterricht eingebaut werden.

Gleichzeitig wünschen sich die Schüler, dass die Täter sanktioniert werden. 62 Prozent der Schüler sind der Meinung, der Lehrer müsste eingreifen. Auch die Mobbingexpertin weist darauf hin, dass die Opferberatung alleine keinen Effekt erzielt. Es müssten in den Schulen Maßnahmen gesetzt werden und Sanktionen für die Täter geschaffen werden. „Denn die Aggression geht nur runter, wenn die Wahrscheinlichkeit, dass man Erfolg hat reduziert wird", erklärt Schäfer. Nur werde Mobbing von Lehrern häufig übersehen, da sich viele denken es seien nur Kleinigkeiten, betont die Psychologin. Das müsse aber nicht sein, Lehrer müssten die verschiedenen Rollen, die Schüler in der Klasse einnehmen, beobachten.

Oberösterreich als Vorzeigeprojekt

In Oberösterreich gibt es schon seit vier Jahren eine Mobbing- und Gewaltpräventionsstelle. Zwölf freie Mitarbeiter leisten gewaltpräventive Arbeit in Form von Workshops an Schulen, Beratung und Begleitung von Mobbingopfern und Tätern und gezielte Interventionen in Schulen. Denn nicht nur die Primärberatung, die viele verschiedene Stellen anbieten, sei ein wichtiger Teil, betont die Oberösterreichische Kinder- und Jugendanwältin Christa Winkler-Kirchberger. Gerade die Beratung und Einschreiten i,n Fällen „wo der Hut brennt" sei eine wichtige Aufgabe der Mobbingpräventionsstelle.

320.000 Euro Budget bekommt die Kija Oberösterreich jährlich für die Beratungsstelle vom Land Oberösterreich aus dem Sozialtopf. In Salzburg würden schon 120.000 Euro reichen um eine Mobbing- und Gewaltpräventionsstelle zu errichten, erklärt die Salzburger Kinder- und Jugendanwältin Andrea Holz-Dahrenstaedt. Doch das Budget für die Kija Salzburg werde noch um eine halbe Stelle gekürzt. (Stefanie Ruep, derStandard.at, 23.11.2011)

  • 44 Prozent der Mobbingopfer erzählen niemanden von den Vorfällen.
    foto: standard/cremer

    44 Prozent der Mobbingopfer erzählen niemanden von den Vorfällen.

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