Länger stapeln mit Wasserstoff im Tank

22. November 2011, 17:39
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Internationale Fachleute diskutierten auf einer Konferenz in Wien über alternative Antriebssysteme und Mobilitätskonzepte

Während Elektroautos auf unseren Straßen noch äußerst selten anzutreffen sind, boomt der Elektroantrieb in Nischen. Zum Beispiel in der Intralogistik, also bei jenen logistischen Material- und Warenflüssen, die sich innerhalb eines Betriebsgeländes abspielen. Fernab der breiten öffentlichen Wahrnehmung haben sich dort elektrisch betriebene Gabelstapler durchgesetzt. Manfred Klell, Geschäftsführer der Grazer Wasserstoffforschungseinrichtung HyCentA (Hydrogen Center Austria), spricht in diesem Zusammenhang sogar vom weltweit größten Markt für Elektromobilität.

Gemeinsam mit den beteiligten Firmen und Institutionen stellte Klell vergangenen Dienstag im Rahmen der zweitägigen Konferenz "Alternative Propulsion Systems and Energy - Eco Mobility 2011" in Wien das Projekt "E-Log-Bio-Fleet" vor. Dieses wird vom Klima- und Energiefonds des Verkehrs- und Lebensministeriums als "Leuchtturm-Projekt" gefördert. Organisiert wurde die Tagung von der Österreichischen Plattform zur Förderung alternativer Antriebssysteme, A3PS.

Die Produktivität von rein batterieelektrischen Flurförderzeugen ist begrenzt, der Batteriewechsel aufwändig, die Lebensdauer beschränkt, der Wartungsaufwand hoch. Die Bleibatterie soll daher durch eine leistungsfähigere Energiezelle ersetzt werden. Eine solche Energiezelle mit Brennstoffzellenfunktion wurde bereits von der Welser Firma Fronius in einem eigenen Projekt entwickelt und befindet sich bereits im praktischen Einsatz, wie Ewald Wahlmüller von Fronius erklärte. "Betankt" wird dieses HyLog Fleet (Hydrogen Powered Logistic System) getaufte System mit Wasserstoff, der in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt wird. Der Hauptnutzen liegt dabei in der raschen Betankung, die weniger als drei Minuten dauern soll. Das Laden einer Batterie hingegen dauert bis zu acht Stunden.

Energie aus der Zelle

Die Energiezelle soll nun in weiterentwickelter Form bei E-Log-Bio-Fleet in einem Lagertechnikgerät vom Fördertechnikhersteller Linde angewendet werden. Sie besteht aus einer Brennstoffzelle, einem Lithium-Akku und einem 350-Bar-Drucktank für Wasserstoff. "Die Betankung wird, und das ist ein europaweites Novum, direkt in der Halle stattfinden", sagte Klell. "Die Versorgung mit Wasserstoff wird durch eine dezentrale Produktionsanlage sichergestellt. Dabei wird Bioerdgas zu Wasserstoff reformiert", erklärte er weiter. Mit einem halben Kilogramm Wasserstoff im Tank soll eine ganze Schicht, also acht Stunden Betrieb, möglich sein. "Wir rechnen mit der Zertifizierung und Genehmigung des Gesamtsystems Mitte kommenden Jahres", sagte Klell.

Linde wird eine Flotte von vorerst zehn Flurförderfahrzeugen umrüsten, die ab Ende 2012 bei DB Schenker im Einsatz sein werden. Die Wasserstoffinfrastruktur wird von der OMV zur Verfügung gestellt, die auch das Biogas liefert und sich aus dem Projekt Erkenntnisse über die dezentrale Wasserstoffproduktion für zukünftige Wasserstofftankstellen erhofft.

Denn Forschung und Industrie haben das mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzellenauto noch nicht aufgegeben. So gibt es beispielsweise mit dem Fuel Cells and Hydrogen Joint Undertaking (FCH JU) ein Puplic-Private-Partnership zwischen der Europäischen Kommission und einer Vielzahl von Unternehmen und Forschungsinstitutionen. "Das FHC JU hat sich zur Aufgabe gemacht hat, die Forschung und Einführung von Brennstoffzellen- respektive Wasserstofftechnologien voranzutreiben", erklärte der geschäftsführende Direktor des FCH JU, Bert De Colvenaer. "Die neuen Technologien sind heute zwar noch teuer", fuhr er fort, "das Preisniveau wird sich aber in absehbarer Zeit dem eines herkömmlichen Autos annähern."

Er berief sich dabei auf eine McKinsey-Studie, die McKinsey-Partner Bernd Heid zuvor präsentiert hatte. Für die Entwicklung sauberer Antriebe, sagte dieser, werden vor allem umweltpolitische Regulierungen maßgeblich sein. "Niedrige Emissionswerte sind nur mittels Elektromobilität zu erreichen", hielt Heid fest. Die Autoindustrie werde sich diesen Gegebenheiten anpassen.

Was sie auch tut: So präsentierte Helfried Sorger vom Motorenentwickler AVL List "e-Fusion", ein Baukastensystem eines elektrifizierten Antriebs. Das Antriebssystem deckt in modularer Weise die Bauformen von Hybrid- und reinen E-Antrieb ab. Andreas Dorda, Vorstandsvorsitzender von A3PS, stellt eine Diversifikation der Systeme fest, die langfristig auf die Elektrifizierung auch über verschiedene Arten von Hybriden hinauslaufen werde. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.11.2011)

  • Flurförderzeuge sollen mittels Brennstoffzelle und Wasserstoff effizienter werden.
    foto: fronius

    Flurförderzeuge sollen mittels Brennstoffzelle und Wasserstoff effizienter werden.

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