E-Wirtschaft gegen höhere Netzgebühren

22. November 2011, 12:31
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Zusätzliche Gebühren für die Pumpspeicher sind für die Energie-Wirtschaft das falsche Signal für die Energiezukunft

Wien - Die heimische Elektrizitätswirtschaft wehrt sich gegen eine drohende Anhebung diverser Gebühren für die Nutzung der Stromnetze durch Pumpspeicherkraftwerke. Durch zusätzliche Kostenbelastungen der als "grüne Strom-Batterie" ideal geeigneten Wasserkraftanlagen könnten hier weitere Investitionen unrentabel werden und manche Projekte womöglich gar nicht mehr realisiert werden, warnten Spitzenvertreter des Branchenverbandes Oesterreichs Energie und des führenden Wasserkraftstromerzeugers Verbund am Montagabend vor Journalisten. Damit würden auch wichtige Entlastungs-Funktionen für die europäischen Stromnetze, wie sie auch EU-Kommissar Günther Oettinger betont, nicht umgesetzt werden können.

Falsches Signal

Zusätzliche Gebühren für die Pumpspeicher seien das falsche Signal für die Energiezukunft, kritisierte der Sprecher der heimischen Stromerzeuger von Oesterreichs Energie, Verbund-Hydro-Vorstand Karl Heinz Gruber. Konkret geplant sei mit der in Begutachtung befindlichen Systemnutzungsentgelte-Verordnung 2012 (SNE-VO) der E-Control eine Verdopplung der Leistungskomponente von 1.000 auf 2.000 Euro pro Megawatt (MW) Leistung - Reißeck II in Kärnten etwa soll 430 MW Turbinenleistung aufweisen. Derzeit sind in Österreich 2.700 MW Pumpspeicher installiert, gesamt 7.500 MW Speicherleistung. Es gebe Projekte über weitere 4.000 MW Pumpspeicher, davon seien 2.000 bis 3.000 MW bereits konkret auf der Agenda, so Gruber.

Der Verordnungsentwurf - und entsprechende Gerüchte - würden für 2013 nochmals eine weitere Verdopplung dieser Kosten auf bereits 4.000 Euro pro MW und Jahr befürchten lassen, sagte Spartensprecher Gruber. Schon jetzt sei außerdem mit der SNE-VO 2012 eine Erhöhung der Arbeitskomponente von 0,75 auf 0,80 Euro pro Megawattstunde (MWh) vorgesehen. Pumpspeicher-Betreiber würden als Stromnetz-Einspeiser und -Entnehmer einer Doppelbelastung unterliegen. Je nach Einsatz bedeute dies ein Systemkostenplus von bis zu rund 60 Prozent bei Pumpbetrieb und rund 20 Prozent bei der Einspeisung, bei annähernd gleichbleibenden Netzverlustentgelten von knapp 0,70 bis 1 Euro je MWh. In Summe ergebe dies eine gesamttarifliche Mehrbelastung gegenüber heuer von rund 30 Prozent, in Einzelfällen bis 40 Prozent.

Exemplarisch für ein Pumpspeicherkraftwerk gerechnet drohe die Kostenbelastung durch die neue SNE-VO bei 750 bis 1.500 Laufstunden im Jahr von derzeit 4,50 bis 5,20 Euro/MWh auf 5,50 bis fast 7 Euro/MWh zu klettern, ein Plus von 20 bis 30 Prozent. Läuft die Pumpspeicheranlage weniger als 750 Stunden, wäre die Belastung sogar bis zu 40 Prozent höher, rechnete der Erzeuger-Sprecher vor.

Bezogen auf den sogenannten Pumpspeicher-Spread - die Differenz zwischen billigem Strom zum Hochpumpen des Wassers und dem durch die "Veredelung" erzielbaren höheren Abgabepreis - von derzeit 20 Euro pro MWh bedeute die Novelle eine Erlösschmälerung von 27 bis 34 Prozent, im Mittel also rund 30 Prozent, sagte Gruber.

Keine Energiewende ohne Pumpspeicher

Ohne Pumpspeicher werde aber die Energiewende in Europa nicht zu schaffen sein, warnte Verbund-Vorstandschef Wolfgang Anzengruber. Denn diese Wasserkraftanlagen könnten Stromüberschüsse aus erneuerbaren Energieträgern wie Windkraft oder Photovoltaik speichern und das Leitungsnetz stabilisieren. Sie seien "ein wichtiges Zahnrad", da sie bei Bedarf technisch binnen 90 oder 120 Sekunden am Markt reagieren könnten, so Anzengruber. Rund 15 bis 20 Prozent Ersatzkapazitäten seien nötig - sowie die Möglichkeit eines schnellen Lastwechsels, betonte Gruber: Wirtschaftlich und technisch vertretbar könne dies nur die Pumpspeicherung leisten, kalorische Anlagen mit Gas nur zum Teil und mit Kohle befeuerte gar nicht.

Bleibt es bei der Kostenlawine, so könnten sich Projekte, die die E-Wirtschaft schon in der Pipeline hat, nicht mehr rechnen und Investoren würden sich abwenden, sagte Anzengruber. Hinter viele Speichervorhaben, die in Österreich bei verschiedenen EVU auf der Agenda stünden, könnte ein Fragezeichen gesetzt werden. Die eigenen Vorhaben des Verbund - Limberg III, Jochenstein-Riedl und Reißeck - würden dadurch ebenfalls "belastet, aber nicht gefährdet", so Verbund-Hydro-Vorstand Gruber. Man müsse sich aber "ernsthaft überlegen, ob wir Erweiterungsinvestitionen in Pumpspeicherwerke noch machen", denn der Spielraum für Investitionen in diesem Bereich werde in Österreich immer enger - anders als im Ausland, etwa der Schweiz. (APA)

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