Der Pfützenhüpfer von Paris

18. November 2011, 17:15
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Lichtbildkunst sorgte in Paris für Warteschlangen. Zwischendurch gastierte der Hype auch in Wien

Der Ansturm anlässlich der Paris Photo (bis 13. 11.) überrasche ihn jedes Jahr aufs Neue, schildert Johannes Faber. Gefühlt hätten sich die Menschenmassen heuer in Zweierreihen um das Grand Palais gezwirbelt, und das bei einem Eintrittspreis von 25 Euro. Aber das ist eben Paris, und wenn die internationale Metropole der Fotografie Mitte November ihr jährliches Lichtbildkunst-Brimborium veranstaltet, dann ist leidenschaftliches Schlangenstehen nur ein petit Nebeneffekt. Bien sûr wird auch gekauft, und das nicht zu knapp. Der aus Wien angereiste Vintage-Galerist ist zufrieden, sehr zufrieden sogar.

Gedeihlich versteigerten zeitgleich auch die Auktionshäuser ihre Ware, Sotheby's (11. 11., 1,87 Mio. Euro) ebenso wie Christie's mit drei Auktionen (5,91 Mio.). Den höchsten Zuschlag der Woche erteilte Christie's für Henri Cartier-Bressons legendäres Motiv Derrière la gare Saint-Lazare (1932, Abzug von 1946): Der Pfützenhüpfer - das einzige jemals von ihm beschnittene Bild - gefiel einem anonymen Käufer bis zu 433.000 Euro. In Wien hält Faber indes einen Abzug von 1960 für wohlfeile 38.000 Euro bereit.

Cartier-Bresson in Wien

Seit der Gründung der HCB-Fondation im Jahr 2003 stiegen analog zu zahlreichen in Kooperation mit Museen veranstalteten Ausstellungen - u. a. im deutschen Wolfsburg (bis 13. 5. 2012) und in Wien (Kunst Haus, bis 26. 2. 2012) - vor allem das Angebotsvolumen und im Falle von Signature-Motiven auch der Wert.

Im Zuge der aktuellen Westlicht-Auktion (12. 11.) blieben wiederum zwei weniger bekannte Abzüge unverkauft. Insgesamt schlug sich die Herbstsause von Peter Coeln mit 482.000 Euro und einer Verkaufsquote von 83 Prozent beachtlich. Den höchsten Zuschlag bewilligte der amerikanische Handel für zwei Daguerreotypien (36.000), gefolgt von Ex-Albertina-Kuratorin Monika Faber, die sich im Auftrag eines anonymen Sammlers eines der zeitgenössischen Abbilder von Oskar Kokoschkas Alma-Puppe für 24.000 Euro sicherte. (Olga Kronsteiner / DER STANDARD, Printausgabe, 19./20.11.2011)

  • Cartier-Bresson: "Derrière la gare Saint-Lazare" (1932).
    foto: hcb/christie's

    Cartier-Bresson: "Derrière la gare Saint-Lazare" (1932).

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