Amerikas Leid, Europas Freud

17. November 2011, 16:20
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Nicht wenige Superstars des Basketballs tendieren nun, da die komplette NBA-Saison vor der Ab­sage steht, zu Engagements in Europa

New York - "In dieser Woche legen wir wieder richtig los. Dirk hat seit dem Ende der Europameisterschaft im September keinen Basketball mehr in der Hand gehabt", sagt Dirk Nowitzkis Privattrainer Holger Geschwindner. Ein Wechsel zu einem europäischen Klub sei wegen des andauernden Lockouts in der nordamerikanischen Profiliga denkbar, auch deutsche Klubs können sich Hoffnungen machen - österreichische eher nicht, das sagte Geschwindner gar nicht erst dazu. Ansonsten will er "nichts ausschließen. Aber es gibt noch keine konkreten Überlegungen". Nowitzki sei noch außer Form und untrainiert.

Einen bloß auf wenige Spiele begrenzten Vertrag freilich hat der 66-jährige Coach ausgeschlossen. "So was wird es mit Dirk nicht geben. Das sind Zirkusnummern. Wenn er irgendwo spielt, dann die ganze Saison", sagte der ehemalige deutsche Internationale. Geschwindner hat aber noch die Hoffnung, dass die Saison gerettet werden kann und Nowitzki mit den Dallas Mavericks noch den Titel verteidigt.

Allerdings haben im Tarifstreit bereits die Juristen das Wort. Die ersten der seit 1. Juli ausgesperrten Profis brachten Klage vor einem Bundesgericht ein. Sie hoffen so die Klubbesitzer zurück an den Verhandlungstisch zu bekommen. Bis 15. Dezember sind bereits 304 Spiele abgesagt, der Ausfall der kompletten Saison ist wahrscheinlich. Liga-Boss David Stern sieht die NBA bereits vor einem "nuklearen Winter". Die mehr als 430 Profis bekommen die Folgen des Lockouts jetzt auch finanziell zu spüren. Am Dienstag blieb erstmals ihr Lohn aus. Rund 170 Millionen Dollar hätten die Teambesitzer wie an jedem 15. überweisen müssen.

Im juristischen Dschungel

Einen Tag nachdem die Spielergewerkschaft NBPA das "nachgebesserte Tarifangebot" von Liga und Teambesitzern abgelehnt und sich anschließend aufgelöst hatte, gingen zahlreiche Akteure am Dienstag gerichtlich gegen die Liga vor. Bei einem Bundesgericht in Kalifornien wurden die Akten für ein Kartellverfahren eingereicht. Darin fordern die Spieler das "Ende des illegalen Boykotts" und verlangen Schadensersatz für entgangene Gehälter. Die juristische Auseinandersetzung könnte Monate dauern.

Während sich die Anwälte beider Seiten bald vor Gericht gegenüberstehen, könnten Spieler und Teameigner ihre Gespräche wieder aufnehmen. Ein Vertragsabschluss ist jedoch erst möglich, wenn die NBPA wieder rechtskräftig eingesetzt ist. Stern hatte nach der Auflösung der Gewerkschaft darauf verwiesen, dass man jetzt niemanden habe, mit dem man verhandeln könne.

Der Langzeit-NBA-Boss hatte einen Saisonstart am 15. Dezember mit einem Vorrunden-Spielplan von 72 Partien pro Team in Aussicht gestellt, sollten die Profis einer 50:50-Verteilung der Gesamteinnahmen von 4,3 Milliarden Dollar zustimmen. Die Spieler lehnten ab. 65 von ihnen unterschrieben bereits Verträge in Europa, Südamerika, Australien und China. (sid, APA, fri, DER STANDARD Printausgabe, 18. November 2011)

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    Im Juni war Dirk Nowitzki angesichts der NBA-Trophäe fassungslos. Nun hofft er noch, den Titel verteidigen zu können. Besser stehen die Chancen, dass er bald in Europa spielt.

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