Rom: Banken wollen mehr Geld von der Zentralbank

16. November 2011, 17:44
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Der Druck der Märkte auf Eurostaaten - auch solche mit Top-Rating - hält an. Das bekommen Österreich und Frankreich zu spüren

Trotz der zuletzt massiv gestiegenen Kredite bei der Europäischen Zentralbank will der italienische Finanzsektor besseren Zugang zu Notenbankgeld. UniCredit-Chef Federico Ghizzoni führte dazu am Mittwoch Gespräche mit der EZB. Er wünscht sich eine Lockerung der Kriterien für Sicherheiten. An den Märkten sorgten höhere Zinsen für Anleihen Frankreichs für Unruhe, auch für Österreich stiegen die Zinsaufschläge weiter.

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Mailand/Wien - Neue Regierung, alte Probleme: Die Finanzmärkte wollen dem neuen italienischen Premier Mario Monti keinen Blankoscheck ausstellen. Zwar hat sich die Situation an den Märkten für Staatsanleihen am Mittwoch etwas entspannt, allerdings hat dazu auch die Europäische Zentralbank beigetragen. Sie kaufte nach Händlerangaben italienische und spanische Bonds und drückte damit die Zinslast. Mit mehr als sieben Prozent in Rom und 6,4 Prozent in Madrid blieben die Renditen aber nicht allzu weit unter ihren Höchstständen.

Spanien droht nun jenes Schicksal, das in den letzten Wochen Italien erlitt. Clearinghäuser verlangen höhere Sicherheiten, wenn sich Banken untereinander Geld borgen und dafür Staatsanleihen als Pfand hinterlegen. Der Mittler LCH Clearnet verlangt höhere Besicherungen, wenn der Rendite-Abstand der hinterlegten Schuldscheine zur deutschen Bundesanleihe 4,5 Prozentpunkte übersteigt. Dieser Fall ist mittlerweile in Bezug auf spanische Papiere eingetreten und verteuert somit die Refinanzierung der Banken des Landes.

Italiens Geldhäuser kämpfen mit den gleichen Problemen. UniCredit-Chef Federico Ghizzoni bat die Europäische Zentralbank um leichteren Zugang zu Liquidität. Konkret soll die Notenbank die Kriterien für die Besicherung von Krediten lockern, wie der Banker dem Corriere della Sera erklärte. Dabei hängt der Sektor bereits jetzt am Tropf des Eurosystems: 104 Milliarden haben die Banken des Landes ausgeborgt, lediglich irische Institute sind mit 119 Milliarden Euro noch stärker bei der EZB verschuldet.

Doch auch abseits der Krisenstaaten geht der "Eurogeddon" weiter, wie Nobelpreisträger Paul Krugman in seiner ihm eigenen Skepsis gegenüber der Währungsunion bloggte. Der Anstieg der Zinsen hat Eurokernländer wie Österreich erfasst, das nun mit knapp 3,7 Prozent gleich viel für Kredite zahlen muss wie Frankreich. Analysten bezweifeln, dass die beiden Staaten ihre Top-Schuldnerbonität AAA halten können.

Krugman hält besonders das Auseinanderdriften der französischen und deutschen Bonds für gefährlich. Der Abstand liegt nun bei fast zwei Prozentpunkten. Im Falle Österreichs machen den Experten die Banken wieder größere Sorgen. Einerseits wegen des großen Engagements in Osteuropa; andererseits wegen etwaiger neuer staatlicher Hilfen, für die es im Budget aber keine Vorsorgen gibt.

Mit Spannung wird nun die Begebung neuer Anleihen heute, Donnerstag, in Frankreich und Spanien erwartet. Immer härter für Regierungsvakuum und hohe Verschuldung bestraft wird überdies Belgien, wo zehnjährige Staatsanleihen bei knapp fünf Prozent rentieren.

Die Anspannungen in der Eurozone setzen auch die Gemeinschaftswährung unter Druck, die nun den dritten Tag in Folge zum Greenback nachgab und unter 1,35 Dollar rutschte. (as, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.11.2011)

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