Bei Staatspapieren steigen die Zinsen

15. November 2011, 16:31
7 Postings

Allein am Dienstag +6,1 Prozent - Neues Geld wird für Griechenland und Spanien teurer

Wien - Österreich zahlt aktuell für zehnjährige Staatsanleihen zwar weniger Zinsen als vor zwei Jahren, der Abstand zu Deutschland ist zuletzt aber gestiegen, vor allem weil die Rendite deutscher Anleihen deutlich zurückgegangen ist. Am Dienstag lag die Verzinsung österreichischer Papiere bei 3,65 Prozent, die deutscher Titel bei 1,77 Prozent, geht aus Bloomberg-Daten hervor. Das Zinsplus entspricht einem Anstieg von 6,6 Prozent an einem Tag. Und das trotz am Dienstag im Ministerrat beschlossener Schuldenbremse.

Die kürzer laufenden Schuldverschreibungen schnellten sogar um 23,5 (2 Jahr) bzw. 10,8 (5 Jahre) Prozent in die Höhe und notierten bei 1,81 Prozent bzw. 2,83 Prozent.

Damit setzt sich ein seit Ende September andauernder Aufwärtstrend fort. Die sogenannte Sekundärmarktrendite hat für die Republik Österreich keine Auswirkungen für bereits emittierte Schuldtitel. Sie gilt aber als Benchmark für die Zinskosten neuer Anleihen/Schuldverschreibungen.

Die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur ÖBFA beruhigte in seiner Stellungnahme: "Die zuletzt gestiegenen Sekundärmarktrenditen wirken sich auf den Finanzierungsplan der Republik Österreich für 2011 kaum aus, da das Finanzierungsprogramm für heuer so gut wie abgeschlossen ist." Für Dezember ist noch ein Auktionstermin angesetzt, es war nach der letzten Versteigerung aber noch nicht sicher, ob überhaupt eine Auktion stattfindet.

In Anfragen von Investoren "erkennen wir, dass die momentanen Renditen als sehr attraktives Einstiegsniveau wahrgenommen werden", sagt ÖBFA-Chefin Martha Oberndorfer. Im kurzfristigen Laufzeitbereich lägen die Renditen für österreichische Bundesanleihen auf sehr niedrigen Niveaus. Die Bundesanleihe mit Laufzeit bis 15.7.2012 liege momentan bei 0,29 Prozent (Ende 2010: 0,89 Prozent)."

Griechen zahlen mehr

Die Finanzierung Griechenlands wird trotz neuer Regierung und internationaler Stützung immer teurer. Zuletzt waren für zehnjährige Anleihen 28,45 Prozent fällig. Wer jetzt am Sekundärmarkt einjährige Anleihen kauft, erhält zwar rechnerisch eine Rendite von 250 Prozent, muss aber einen unmittelbar bevorstehenden Schuldenschnitt von 50 Prozent einrechnen.

Zuletzt sind - obwohl die EZB ihren Leitzins gesenkt hat - die Renditen der Staatsanleihen der Euro-Länder mit Ausnahme Portugals und Deutschlands hinaufgegangen. Portugal muss derzeit 11,39 Prozent zahlen, Irland 8,21 Prozent, Italien 7,05 Prozent, Spanien 6,3 Prozent, Belgien 4,8 Prozent und Frankreich 3,59 Prozent. Günstiger als Österreich können sich Finnland (2,46 Prozent) und die Niederlande (2,4 Prozent) finanzieren. International zahlen die USA mit 2,02 Prozent, Japan mit 0,97 Prozent und die Schweiz mit 0,88 Prozent deutlich weniger als Österreich, auch Großbritannien kommt mit 2,15 Prozent günstiger weg.

Die von einigen Medien für Dienstag erwartete Herabstufung der österreichischen Kreditwürdigkeit dürfte indessen auf einem Missverständnis beruhen. Tatsächlich befindet sich nach APA-Informationen aktuell eine Delegation der Rating-Agentur Moody's in Österreich. Der Bericht wird allerdings erst für die kommenden Wochen erwartet. Eine aktuelle Einschätzung von Standard & Poor's dürfte vor Weihnachten veröffentlicht werden.

Eine sofortige Herabstufung der österreichischen Bonität wäre allerdings eine Überraschung. Schließlich haben beide Agenturen das österreichische Kreditrisiko zuletzt mit der Bestnote AAA sowie mit einem stabilen Ausblick bewertet. Möglich wäre daher wohl allenfalls eine Herabstufung des Ausblicks (nicht aber des Ratings an sich). Standard & Poor's hat in seiner im Dezember des Vorjahres veröffentlichten Analyse jedenfalls davor gewarnt, dass das gute Rating unter Druck kommen könnte, wenn Österreich seinen Sparkurs verwässern sollte. (APA)

Share if you care.