Die gefährlichen Zuckerseiten des Lebens

15. November 2011, 12:12
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Die Ursachen von Diabetes sind vielfältig - Klar ist dabei eigentlich nur, dass Fettleibigkeit den Typ 2 verursachen kann

Ursachenforschung beim Typ-2-Diabetes bringt relativ klare Ergebnisse: Wer übergewichtig ist, hat ein hohes Risiko, zuckerkrank zu werden. Die Bauchspeicheldrüse produziert dann zwar Insulin, der Körper kann das lebenswichtige Hormon nicht mehr aufnehmen. Die Diagnose bedeutet einen mehrfachen Druck für die etwa 250 Millionen Patienten weltweit. Zum einen, weil die Krankheit schlecht behandelt zu massiven Folgen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenversagen oder Blindheit führen kann. Zum anderen, weil nicht nur Medikamente, sondern vor allem ein Umstieg auf gesunde Ernährung und Sport notwendig sind, um den Diabetes in den Griff zu bekommen. Das bedeutet eine Abkehr von lieben Gewohnheiten. Statt Schnitzelsemmeln und Torten müssen Salate, Vollkornbrot und Spaziergänge in den Alltag einkehren. Ohne psychologische Betreuung schaffen das viele Betroffene nicht.

Fettleibigkeit ist der größte, wenn auch nicht der einzige Risikofaktor für Typ-2-Diabetes: Es gibt, wie Ärzte sagen, eine genetische Disposition, die für die Entwicklung der Zuckerkrankheit entscheidend ist. In der Praxis heißt das: Leidet ein Elternteil an Typ 2, so haben die Kinder ein 40-Prozent-Risiko, ebenfalls zu erkranken. Besonders hoch ist die Gefahr bei eineiigen Zwillingen: Erkrankt einer, so liegt die Wahrscheinlichkeit, dass der Bruder oder die Schwestern auch den Typ 2 entwickeln, sogar bei 90 Prozent.

In all diesen Fällen raten Ärzte, noch strenger auf die Ernährung der Kinder zu achten. Werden sie fettleibig, dann können sie im Erwachsenenalter, aber auch schon davor krank werden. Die in der Vergangenheit oft als Alterszucker bezeichnete Krankheit tritt längst auch in jungen Jahren auf: Ein fünfjähriger Bub aus Leipzig, der 40 Kilogramm wog, galt einige Zeit lang als jüngster Patient. Ein anderer aus den USA hat mit acht Jahren und fast neunzig Kilo dieselbe Diagnose erhalten.

Antikörper als Verursacher

Vor mehr als zehn Jahren ist man noch davon ausgegangen, dass im Kindesalter vor allem der Typ-1-Diabetes ausbricht. Dabei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Der Körper verwechselt die Insulin produzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse mit einem Eindringling und produziert Antikörper zu ihrer Abwehr. Die Patienten brauchen künstliches Insulin. Die Ursachen dieser Erkrankung, an der nur fünf Prozent aller Diabetiker leiden, sind bis heute unklar. Wahrscheinlich ist, dass eine Vielzahl von Faktoren, die unglücklicherweise alle eintreffen, den Typ 1 begünstigen können.

Umweltfaktoren sollen dabei genauso eine Rolle spielen wie die Ernährung. Untersuchungen haben gezeigt, dass eine frühzeitige Umstellung von Säuglingen auf Kuhmilch-Nahrung das Risiko erhöht, dass sie später an Typ-1-Diabetes erkranken. Auch andere Ernährungsbestandteile wie Gluten stehen im Verdacht, die Krankheit zu begünstigen.

In anderen Studien wird ein Vitamin-D-Mangel verantwortlich gemacht, wie er in Ländern mit relativ wenig Sonnenlicht auftritt (Finnland). Schließlich treten bei Typ-1-Diabetikern häufig andere Autoimmunerkrankungen auf. Jeder Dritte hat Probleme mit der Schilddrüse. Als unmittelbare Auslöser sind der Medizin Infektionen, Stress und Schockerlebnisse bekannt. Die Anlagen für die Krankheit können auch vererbt werden, allerdings mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit als beim Typ 2.

Eine Vorwarnstufe wie "Fettleibigkeit" gibt es hier nicht. Die oft diskutiertes Suche nach Antikörpern im Blut ist mit Vorsicht zu genießen: Wenn man sie findet, heißt das noch nicht, dass eine Autoimmunreaktion eintritt. Findet man sie nicht, kann man noch keine Entwarnung geben. Sichere Aussagen über die Antikörper im Blut lassen sich erst nach Auftreten der Krankheit machen. (Peter Illetschko, DER STANDARD, Printausgabe, 15.11.2011)

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