Hausbesetzung oder Hausfriedensbruch in Wien-Neubau

15. November 2011, 11:51
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Obwohl von einer Hausbesetzung in der Westbahnstraße 13 nur wenig zu sehen ist, kündigt die Polizei die baldige Räumung an

Der Durchgang von der Straße in den Innenhof ist mit Mülltonnen versperrt. Hat man sich daran vorbeigedrängt, trifft man am Montagabend im besetzten Haus in der Westbahnstraße 13 auf einige wenige AktivistInnen, die sich um ein kleines Lagerfeuer versammelt haben. Den Medien gegenüber ist man hier kritisch, zu Fotos und Interviews ist keiner bereit. Einige hätten damit schon schlechte Erfahrungen gemacht, vor allem aber verweisen sie für Fragen auf den "Kern" der Besetzer, der gar nicht da ist. "Die sind grade einkaufen oder so", sagt einer der "Gäste". Es hat den Anschein, das Gebäude würde als Treffpunkt genützt, von einer Hausbesetzung wie in der Lindengasse (derStandard.at Bericht) ist nur wenig zu bemerken - vor allem weil die Besetzer fehlen.

Polizei: "Gebäude hätte um 17 Uhr geräumt sein sollen"

Kurze Zeit später tauchen zwei Polizisten auf und leuchten mit Taschenlampen in die Runde. Ihre Anwesenheit wird eher entspannt aufgenommen, wahrscheinlich, weil sie selbst eher gelassen auftreten. "Wir schauen nur, ob sich das Ganze hier schon aufgelöst hat", sagt einer der beiden Beamten. Der Eigentümervertreter habe den Behörden mitgeteilt, mit den Besetzern eine Räumung für 17 Uhr vereinbart zu haben. "Ist das nicht der Fall, werden bestimmt die notwendigen Maßnahmen ergriffen. Hier verschwimmt die Grenze zwischen Hausbesetzung und Hausfriedensbruch", ergänzt der Beamte.

Nachdem die Besetzer eine Viertelstunde später noch immer nicht aufgetaucht sind, machen sich die Polizisten wieder auf den Weg, um ihren Bericht zu schreiben. "Frohe Weihnachten!", ruft ihnen eine der AktivistInnen nach. "Da sehen wir uns bestimmt vorher noch", bekommt sie als Antwort.

Unterschiedliche Reaktionen der Anrainer

Die Anwesenden berichten, nichts von Problemen mit den Nachbarn zu wissen: "Ganz im Gegenteil. Wir werden eher mit kleinen Spenden unterstützt." Man wolle keinen Ärger, sondern einfach nur Platz um sich frei zu entfalten. Im Gegensatz dazu spricht die Polizei sehr wohl von Beschwerden aus den angrenzenden Wohnungen - vor allem wegen Lärms und offenen Feuers.

Inzwischen ist auch eine Nachbarin im Hof aufgetaucht. "Das ist kein Abrisshaus", stellt sie klar "auch wenn man das vielleicht aufgrund des Zustands hier glauben könnte." Seit Jahren schon würde ihr von der Hausverwaltung eine Renovierung versprochen, passiert sei aber nie etwas. Sie sei eine von fünf übrig gebliebenen Mietern in dem Haus und habe grundsätzlich kein Problem mit einer Zwischennutzung der Besetzer. "Es wäre mir recht, wenn neben mir jemand einzieht, dann kann ich vielleicht Heizkosten sparen", sagt sie dazu. Einzig mit der "Neugestaltung des Innenhofs durch dieNeuankömmlinge sei sie nicht ganz zufrieden und murmelt etwas von einem "Saustall". (Max Daublebsky, derStandard.at, 15. 11. 2011)

  • Der Innenhof wurde mit zwei Sofas als "Wohnzimmer" gestaltet.
    foto: der standard/christian fischer

    Der Innenhof wurde mit zwei Sofas als "Wohnzimmer" gestaltet.

  • Der Eingang zur Westbahnstraße 13 neben einem ehemaligen Modelleisenbahn-Geschäft.
    foto: der standard/christian fischer

    Der Eingang zur Westbahnstraße 13 neben einem ehemaligen Modelleisenbahn-Geschäft.

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