Ehrenrettung der Alten

Kommentar14. November 2011, 22:09
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Für Panikmache wegen des Pensionssystems geben die Zahlen keinen Anlass

Pensionisten hatten schon einmal eine bessere Presse: Einst vom Glorienschein der Wiederaufbaugeneration umstrahlt, sind sie heute als budgetäre Totengräber verschrieen: Vor allem die vielen Frühpensionen hätten den Staat in die aktuelle Schuldenkrise, die nun per "Schuldenbremse" bereinigt werden soll, getrieben.

Stimmt das? Tatsächlich ist der Steuerzuschuss für die Pensionen zuletzt massiv angeschwollen. Doch beim reflexartigen Lamento wird gerne unterschlagen, dass dies auch mit der Krise zusammenhing: Mit den Jobs brachen Versicherungsbeiträge weg und rissen ein Loch auf. Dass die Regierung in der Situation nicht den Sparstift zückte, war nicht fahrlässig, sondern vernünftig. Die steigenden Pensionsausgaben haben die Wirtschaft gestützt - darin sind sich die vielgescholtenen "linken Träumer" übrigens mit konservativen und sogar ÖVP-nahen Ökonomen einig.

Natürlich ist auch ein Teil hausgemacht. 2008 hat die Regierung die "Hacklerregelung", eine Variante der Frühpension, ausgebaut, was für drei Jahre 1,5 Milliarden Euro kostete. Das ist sehr viel Geld - aber doch nur ein Bruchteil der 30 Milliarden schweren Schuldenexplosion von 2008 bis 2011 infolge der Finanzkrise. Bei aller berechtigten Kritik: Hacklerpensionisten da zu Hauptschuldigen der Misere zu stempeln ist ein bissl viel der Ehre. Da hätte schon halb Österreich in Frühpension gehen müssen.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Angesichts wachsender Lebenserwartung muss das Pensionsantrittsalter selbstverständlich stark steigen, weshalb die Hacklerregelung ein Übel ist. Doch statt Dämonisierung braucht es einen nüchternen Blick auf die Zusammenhänge, um Kollateralschäden zu vermeiden - so hat sich Österreich mit den vielen Frühpensionen, vor allem unter dem Titel Invalidität, eben auch niedrige Arbeitslosigkeit erkauft.

Dass die Pensionisten nun einen Teuerungsausgleich bekommen, ist gerechtfertigt: Ein Verzicht hätte Kaufkraft und Konjunktur wohl mehr geschadet, als er dem Budget kurzfristig bringt. Für Panikmache geben die Zahlen ohnedies keinen Anlass. Der Experte Theodor Tomandl, als Architekt der schwarz-blauen Pensionsreform garantiert kein Schönredner, hat errechnet, dass die Bundesausgaben für Pensionen inklusive Beamten von derzeit 6,07 Prozent des Bruttoinlandsproduktes bis 2040 auf 7,34 Prozent steigen, um dann wieder zu sinken. Das ist ein ordentlicher Sprung, der nach Reformen schreit - aber sicher keine Katastrophe. (DER STANDARD, Printausgabe, 15.11.2011)

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