Von der Spielkonsole auf die Straße

13. November 2011, 17:07
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Um behinderten Menschen die Möglichkeit der Mobilität bieten zu können, gibt es Fahrzeuge, die alleine über einen Joystick gefahren werden können. Trainieren kann man das Fahren dann auch am Computer.

„Wir haben einen Kunden, der seine Fahrfertigkeiten an der Spielkonsole trainiert hat", erzählt Ingenieur Markus Baumgartner, Geschäftsführer der Baumgartner GmbH in Wiener Neudorf, die sich neben dem Fahrzeugverkauf und Umbauten für Lkw auf die Adaptierung von Fahrzeugen für behindertengerechte Mobilität spezialisiert hat. „Der Kunde bedient sein Fahrzeug über einen Joystick und drive-by-wire. Weil man dieses Fahrzeug fährt, wie in einem Computerspiel, funktioniert das Training auf der Konsole ganz gut."

Seit 25 Jahren baut Markus Baumgartner mit seinem Team Nutzfahrzeuge um. „In das Geschäftsfeld des Umbaus von Fahrzeugen für Personen mit körperlichen Einschränkungen sind wir ein wenig reingerutscht. Eines Tages kam die Anfrage, ob wir das machen können. Also begannen wir, uns mit dem Thema zu beschäftigen. Schrittweise hat es sich dann ergeben, dass dieses Thema zu einem unserer Standbeine wurde und wir mit Paravan, dem Weltmarktführer für individuell angepasste Behindertenfahrzeuge, einen Partner fanden."

Die meisten Umbauten erledigt Baumgartner direkt in Wiener Neudorf, „komplizierte Umbauten, bei denen etwa das Fahrzeug auseinandergeschnitten werden muss, oder tief in die Elektronik des Fahrzeugs eingegriffen wird, werden in Deutschland umgesetzt." Doch das sind nur rund 3 Prozent der Aufträge, welche die niederösterreichische Firma übernimmt.

"Alles was extrem ist, ist dann richtig teuer"
Die häufigsten Umbauten, die Baumgartner realisiert, sind Standard-Umbauten wie etwa Verladehilfen. Das reicht von „Dreh- und Schwenksitzen bis zu Kränen, die den Rollstuhl am Dach verladen." Dabei sind gar nicht alle Umbauten für behinderte Menschen, sondern auch Ältere lassen sich Fahrzeuge modifizieren, etwa um leichter einsteigen zu können. „Der Preis für den Großteil der Umbauten liegt bei 3000 bis 15.000 Euro", sagt Markus Baumgartner, „doch je schwerer die Behinderung ist, desto aufwändiger wird der Umbau. Dadurch steigen auch die Kosten und ein drive-by-wire-Umbau kann bis zu 100.000 Euro kosten. Alles, was extrem ist, ist dann richtig teuer."

Wenn Markus Baumgartner in seinem Unternehmen ein Fahrzeug umbaut, dann achtet er auch darauf, dass er so wenig wie möglich am Wagen verändert. „Wir versuchen, so wenig Kanten und Löcher zu machen, wie es nur geht, denn: Man muss den Umbau so gestalten, dass man das Auto dann auch wieder verkaufen kann. Es gibt zwar einen Gebrauchtmarkt für solche Fahrzeuge, aber da jeder Umbau immer an die Behinderung individuell angepasst ist, ist es schwierig, einen Gebrauchtwagen zu finden, der auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmt ist."

Schiebetüren für leichteren Einstieg
Besonders gefragt für Umbauten sind die Vans mit Schiebetüren. „Meist bauen wir Fahrzeuge mit Automatikgetriebe um und es gilt: Je mehr Raum, desto besser", sagt Markus Baumgartner und erklärt, warum umgebaute Sportwagen so selten sind: „Dieses Segment ist schon alleine deswegen nicht so stark nachgefragt, weil diese Autos keinen Platz für den Rollstuhl haben." Doch nicht jedes Wunschauto eines Kunden kann adaptiert werden. „Es kommt schon vor, dass ein Kunde Abstriche machen muss. Entweder beim Umbau, oder sie müssen sich ein anderes Auto aussuchen."

Oft sind diese umgebauten Fahrzeuge dann fünf Jahre im Einsatz. „Danach können unsere Kunden wieder mit einer Förderung rechnen. Wer dann liquid ist, sich ein neues Fahrzeug mit Umbau zu leisten, macht das auch – gerade bei fortschreitenden Behinderungen, die neuer Adaptierungen bedürfen." Hilfestellungen zu Förderungen und Tipps zu Fahrtrainings bekommt man bei Baumgartner zudem auch. „In Oberösterreich betreut etwa Herr Schüttengruber die Fahrschule Barrierefrei, die sich auf Leute mit Behinderung spezialisiert hat und ein paar bereits umgebaute Fahrzeuge einsetzt." Und wenn der gerade gefragte Umbau dort nicht im Fuhrpark ist? „Notfalls versuchen wir ein entsprechendes Fahrzeug zum Trainieren aus Deutschland zu holen, oder über jemand anderen zu organisieren", verspricht Markus Baumgartner. Denn nicht alle Umbauten kann man einfach auf der Spielkonsole simulieren.

  • Markus Baumgartner hat seinem Betrieb in Wiener Neudorf – neben dem Neuwagenverkauf – auf die Adaptierung von Fahrzeugen konzentriert.
    foto: paravan

    Markus Baumgartner hat seinem Betrieb in Wiener Neudorf – neben dem Neuwagenverkauf – auf die Adaptierung von Fahrzeugen konzentriert.

  • Eine Einstiegshilfe in ein Wohnmobil macht es auch Rolli-Fahrern möglich zu campen.
    foto: paravan

    Eine Einstiegshilfe in ein Wohnmobil macht es auch Rolli-Fahrern möglich zu campen.

  • Der Sitz, der sich aus dem Fahrzeug dreht und absenkt ist auch eine Erleichterung die alte Menschen mobil sein lässt.
    foto: paravan

    Der Sitz, der sich aus dem Fahrzeug dreht und absenkt ist auch eine Erleichterung die alte Menschen mobil sein lässt.

  • Einen Komplett-Umbau wie diesen lässt Markus Baumgartner in der Zenrtale in Deutschland realisieren.
    foto: paravan

    Einen Komplett-Umbau wie diesen lässt Markus Baumgartner in der Zenrtale in Deutschland realisieren.

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