Auf dem Pulverfass

Kommentar11. November 2011, 19:14
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Sogar auf den CDU-Parteitag in Leipzig hat sich die Eurokrise eingeschlichen

Die Deutschen sind manchmal ganz erstaunt, dass sich Angela Merkel überhaupt noch in Berlin aufhält. Meist sehen sie ihre Bundeskanzlerin auf TV-Bildern, wenn irgendwo im Ausland wieder einmal Euro und EU gerettet werden müssen.

Sogar auf den CDU-Parteitag in Leipzig hat sich die Eurokrise eingeschlichen, sie wird einen Großteil der Debatten dominieren. Im Vergleich zu ihrem Vizekanzler und FDP-Chef Philipp Rösler hat es Merkel ja noch gut. Eine per Mitgliederentscheid ausgetragene Rebellion gegen den dauerhaften Eurorettungsschirm ESM bleibt ihr erspart.

Entspannt - nach dem Motto: Ist ja nicht meine Partei - kann sich Merkel das Treiben bei der FDP jedoch nicht ansehen. Sie hat in der EU noch Großes vor, will nun einen Konvent und eine Veränderung der EU-Verträge erreichen. Es scheint, als habe sie jene Führungsrolle in Europa angenommen zu haben, die viele so lange vermisst haben.

Doch daheim sitzt Merkel auf einem Pulverfass. Sie muss zuerst abwarten, wie sich die liberale Basis entscheidet: Ob sie den Weg Merkels (ja zu Rettungs-Milliarden für den Euro) mitgeht oder ob sie lieber Fundamentalopposition macht und die Errichtung des ESM nicht mitträgt. Die Zeitspanne, die diese Klärung braucht (bis kurz vor Weihnachten), ist lähmend, aber nötig. Denn mit unsicheren Kantonisten kann Merkel weder in Berlin noch für die EU Politik machen. (DER STANDARD, Printausgabe, 12.11.2011)

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