Bini Smaghi gibt Posten im Direktorium auf

10. November 2011, 19:29
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Frankfurt - Die Personalquerelen um Lorenzo Bini Smaghi bei der EZB sind beendet: Das italienische EZB-Direktoriumsmitglied nimmt seinen Hut und wechselt von der Notenbank in die Wissenschaft. Bini Smaghi habe Zentralbankchef Mario Draghi mitgeteilt, dass er zum 1. Jänner 2012 an die US-Eliteuniversität Harvard gehen werde, erklärte die EZB am Donnerstagabend in Frankfurt. Bini Smaghi war seit Juni 2005 Mitglied des sechsköpfigen Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB).

Sein Mandat hätte eigentlich bis Ende Mai 2013 gedauert. Zuletzt war der Druck auf Bini Smaghi aber gestiegen, sich zurückzuziehen, da mit ihm, Zentralbankchef Draghi und dessen Nachfolger an der Spitze der Banca d'Italia, Ignazio Visco, drei Italiener im EZB-Rat vertreten waren.

Nach dem turnusmäßigen Abgang von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet zum Monatsanfang war jedoch nur noch ein Franzose dort vertreten - Zentralbankchef Christian Noyer. Damit war das Gleichgewicht unter den wirtschaftsstärksten europäischen Nationen im Führungszirkel der an sich unabhängigen Zentralbank gestört. Dies hatte zu heftigen Verstimmungen zwischen den Regierungen in Rom und Paris geführt.

Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy hatte wiederholt deutlich gemacht, dass er den Verbleib des Italieners bei der EZB nicht tolerieren wollte. Er kann nun einen zweiten Vertreter seines Landes nach Frankfurt schicken. Auch die Regierung in Rom hatte Bini Smaghi wiederholt zum Rücktritt aufgefordert. Wer für Frankreich zum Jahreswechsel ins EZB-Direktorium einzieht, ist noch offen. Ebenfalls neu dort ist dann der deutsche Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen. Er ersetzt EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark, der im September seinen Rückzug ankündigte. (Reuters)

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