Gelddrucker berichteten über Geldwäsche

10. November 2011, 18:40
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2008 wurde Aufsichtsrat informiert - Schweizer Provisionärin erinnert sich nicht

Wien - Die Causa Banknotendruckerei (OeBS) bringt den Aufsichtsrat der 100-prozentigen Nationalbank-Tochter in Erklärungsnotstand. Wie berichtet war den Kontrolloren das Thema Provisionen für Auslandsaufträge (etwa jene in Syrien und Aserbaidschan) durchaus bekannt. Allerdings vermutet man nun, dass es zu (illegalen) Rückflüssen gekommen ist, weswegen die Staatsanwaltschaft eingeschaltet wurde.

Vom Geldwäscheverdacht haben die OeBS-Geschäftsführer dem Aufsichtsrat 2008 jedenfalls berichtet. Nach einer entsprechenden Verdachtsmeldung einer Bank in Bratislava gingen zwei Beamte des Bundeskriminalamts (BKA) wie berichtet fragwürdigen Geldflüssen rund um die Banknotendruckerei nach - letztlich wurde die Ermittlung aber ohne Ergebnis eingestellt.

Am 31. März 2008 erstattete OeBS-Geschäftsführer Johannes Miller im Aufsichtsrat Bericht darüber. Anwesend waren alle Aufsichtsratsmitglieder: OeNB-Vizechef Wolfgang Duchatczek, OeNB-Direktor Peter Zöllner, der damalige Münze-Österreich-Chef Kurt Meyer, Betriebsratschefin Martina Gerharter und drei Arbeitnehmervertreter der OeBS. "Vor zwei Wochen", so schilderte Miller, seien die Ermittler des BKA an die Geschäftsführung herangetreten. Man habe ihnen alle Unterlagen übergeben und Einblick in die Verträge gewährt, in deren Rahmen Provisionen geflossen seien. Die Art der Provisionsabwicklung sei von den Beamten als in Ordnung befunden worden.

Dass die Geldwäsche-Ermittler im Jahr darauf erneut in der Druckerei in der Wiener Garnisongasse aufgetaucht sind und ihre Recherchen erneut im Sande verlaufen sind, dürfte dem OeBS-Aufsichtsrat dann aber nicht mehr mitgeteilt worden sein.

Der in U-Haft sitzende Ex-OeBS-Chef Michael Wolf weist die Vorwürfe von Kickbacks zurück. Die Zahlung von Provisionen seien schon in der Ära vor ihm Usus gewesen; die Zahlungen seien an Erika Rudolph geflossen bzw. an die von ihr gemanagte panamesische Gesellschaft Venkoy. Sie habe bei den Aufträgen und bei der Gestionierung von Problemen einiges bewerkstelligt, soll Wolf argumentieren.

Wie die 72-jährige Schweizerin zur OeBS gefunden hat, darüber scheiden sich die Geister. In der OeBS erzählt man, der einstige Vertriebschef habe sie gebracht. Der bestreitet das. Rudolph selbst kann sich laut Wirtschaftsblatt an nichts erinnern: "Das sind irgendwelche Verträge, wo irgendwer irgendwelche Aufträge gekriegt hat. Und dann gab es dafür auch Kommissionen für die Venkoy." (Renate Graber, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 11.11.2011)

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