Wachkoma-Patienten nehmen Umwelt wahr und reagieren

10. November 2011, 15:18
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Forscher plädieren für Weiterentwicklung von EEG-Verfahren

London - Manche Wachkoma-Patienten nehmen ihre Umwelt wahr und reagieren direkt auf Einflüsse, auch wenn sich ihr Körper nicht bewegt. Das fanden Wissenschafter in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie heraus, indem sie die Gehirnströme von Koma-Patienten untersuchten. Die Forscher plädieren nun für eine Weiterentwicklung des von ihnen genutzten EEG-Verfahrens, um eine Art Kommunikation mit den Patienten herzustellen.

Durch Untersuchungen mittels Elektroenzephalogramm (EEG), wodurch sich elektrische Hirnströme und damit die Aktivität des Gehirns überprüfen lassen, testeten Forscher vom Gehirnzentrum der kanadischen Universität in Western Ontario insgesamt 16 Wachkoma-Patienten und zwölf gesunde Menschen. Drei der 16 Patienten zeigte genaue und andauernde EEG-Anzeichen, als sie aufgefordert wurden, sich vorzustellen, zum Beispiel ihre rechte Hand oder ihre Zehen zu bewegen. Obwohl sich die Kranken nicht bewegten, stimmten ihre Gehirnströme mit denen der Kontrollpersonen überein. Bei einem EEG werden Sensoren auf der Kopfhaut angebracht, um elektrische Signale aus dem Gehirn aufzuzeichnen.

Falsche Einschätzung

Die Autoren der in der britischen Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlichten Studie wollten zwar keine Aussage über die "innere Welt" der Patienten treffen. Sie verwiesen aber darauf, dass das Verstehen der Frage sowie das Umsetzen im Gehirn eine Anforderung an komplexe Prozesse sei. Viele Patienten im Wachkoma würden falsch eingeschätzt, hoben die Autoren hervor. "Die EEG-Methode ist billig, transportabel, umfassend verfügbar und objektiv. Damit könnten alle Wachkoma-Patienten erreicht und ihre Kranken-Beurteilung grundlegend verändert werden."

Das EEG-Verfahren gilt als weniger sensibel als moderne bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie, die aber sehr teuer ist und nicht bei Patienten mit Metallteilen im Körper zum Einsatz kommen kann. Dies ist bei Wachkoma-Patienten, die oft durch Autounfälle einen Gehirnschaden erleiden, häufig der Fall. Die Autoren der Studie meinen nun, wenn die EEG-Diagnose weiterentwickelt würde, könnte sie über einfache "Ja/Nein"-Fragen hinaus zur Kommunikation genutzt werden. (APA)

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