Tagtraum trifft Trägheitsprinzip

9. November 2011, 18:23
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Bildungsvolksbegehren-Initiator Androsch appelliert an Last-Minute-Unterstützer

Wien - Hannes Androsch hat einen Traum. Einen "Tagtraum", wie er selbst sagt. Darin unterschreiben 90 Prozent der Österreicher das von ihm initiierte Bildungsvolksbegehren. Tagträume haben aber hohes Potenzial, nicht in Erfüllung zu gehen. Das weiß auch der Ex-Vizekanzler. Also ist er gewappnet dafür, dass heute, Donnerstagabend, nach Auszählung der Unterschriften nicht 90 Prozent unterschrieben haben werden: "Ich bin sicher nicht zufrieden", sagte er am Mittwoch.

Um die Zahl der Unterschriften an sich gehe es letztlich aber gar nicht, auch wenn er natürlich auf möglichst viele hofft, sagte Androsch bei seinem Appell an die Last-Minute-Unterstützer, den er gemeinsam mit dem Leiter der "PädagogInnenbildung neu", Andreas Schnider, und der ersten Professorin für Elementarpädagogik in Österreich, Cornelia Wustmann von der Uni Graz ("Volksbegehren ist gut angelegt, weil es über die gesamte Lebensspanne geht"), formulierte.

"Wir wollen Kraft geben für die Regierung - erlaubtes Doping", sagte Androsch. Druck machen für eine umfassende Bildungsreform wollen er und die rund 80 Organisationen, die das Begehren unterstützen.

Da kommt die Physik ins Spiel. "Die Trägheit ist doch eine sehr beharrende physikalische Größe", erinnerte Androsch. Aber: "Die innere aufgestaute Wut mit Mut verknüpfen und hingehen und unterschreiben ist wichtig", auch wenn man nicht jede der zwölf Forderungen des Volksbegehrens voll unterstütze, sagte Schnider, der als Präsident des ÖVP-Akademikerbundes um so manches parteipolitisch motivierte Bauchweh von Unterzeichnern weiß.

Eine, die das nicht hatte, outete sich Androsch gegenüber in einer Karte. Waltraud Klasnic (VP), die steirische Ex-Landeshauptfrau, schrieb darin, dass sie gerade "mit Familienmitgliedern am Weg" sei zum Unterschreiben. Das tat am Mittwoch auch der Präsident der Universitätenkonferenz, Heinrich Schmidinger, der das per E-Mail ja auch allen Studierenden und Uni-Mitarbeitern empfohlen hatte.

Die bisher bekannten Beteiligungsraten sind durchwachsen. Steiermark, Vorarlberg, Salzburg melden gute Zwischenstände, Burgenland und Kärnten magere.

Apropos Trägheitsprinzip: Es besagt zwar, dass ein Körper in Ruhe verharrt oder sich gleichförmig weiterbewegt, wenn keine Kraft auf ihn einwirkt - aber wenn er einmal in Bewegung gesetzt ist, dann braucht es auch eine Gegenkraft, um ihn wieder zu bremsen. Hoffnung Trägheitsprinzip also.(Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Printausgabe 10.11.2011)

 

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    Hofft: Hannes Androsch.

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