Heinisch-Hosek für bessere Karenzanrechung

9. November 2011, 10:54
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Karenzjahre sollen als geleistete Berufszeit angerechnet werden - Metaller genießen bereits diese Regelung

Wien - Die Gewerkschaft bekommt bei ihrer zentralen Forderung nach Anrechnung der Karenzzeiten bei den diesjährigen Kollektivvertragsverhandlungen im Handel ungewöhnlich starke Unterstützung von der Politik. Nach Innenministerin und ÖAAB-Chefin Johanna Mikl-Leitner spricht sich nun auch Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek für bessere Karenzanrechnungen aus: "Es ist höchste Zeit, dass gerade der Handel als frauendominierte Branche nachzieht und entsprechende Regelungen in den Kollektivvertrag aufnimmt", wird die Ministerin im "Kurier" (Mittwochausgabe) zitiert.

Neuregelung wäre auch Anreiz für Väter

Zu 95 Prozent würden Frauen in der ersten Zeit nach der Geburt eines Kindes zu Hause bleiben, so Heinisch-Hosek. "Solange sich das nicht dramatisch ändert, müssen die Karenzzeiten dem Dienstgeber auch etwas Wert sein." Sie glaubt, dass auch mehr Männer in Karenz gehen würden, weil sie keinen Einkommensverlust durch fehlende Vorrückungen beim Gehalt zu befürchten hätten.

Karenzierte von Vorrückungen ausgeschlossen

Derzeit lassen sich im Handel für die Karenzzeit maximal zehn Monate für das erste Kind geltend machen. Allerdings nur für die sechste Urlaubswoche, die Kündigungsfrist und die Entgeltfortzahlung beim Krankengeld, nicht aber für die Abfertigung, Sonderzahlungen oder Jubiläumsgelder. Die größte Lücke gebe es bei den Vorrückungen, wodurch viele Eltern während der Karenzzeit um Gehaltssprünge umfielen, wird kritisiert. Im Handel sind davon praktisch nur Frauen betroffen, weil drei Viertel der Beschäftigten Frauen sind.

In anderen KVs bereits Usus

Bei den Kollektivvertragsverhandlungen für die Metallindustrie oder die Stein und Keramische Industrie hat die Gewerkschaft die Anrechnung der Karenzzeiten bereits durchgesetzt. Weiters in der Mineralölwirtschaft, den Energieversorgungsunternehmen, der Elektro-und Elektronikindustrie, der chemischen Industrie, dem Banken- und Sparkassensektor, den kaufmännischen Angestellten bei Tages- und Wochenzeitungen, den Speditionen, dem Sozialversicherungsbereich und im Forschungsbereich, zählte Karl Proyer, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp), kürzlich im Gespräch mit der APA auf.

Heute geht das Ringen um neue Gehaltsabschlüsse im Handel in die zweite Runde. Die Anrechnung der Karenzjahre wird dann zentrales Thema sein. GPA-Chef Wolfgang Katzian hat am Dienstag noch einmal betont, den Rat von WKÖ-Präsident Christoph Leitl, Fragen der Gleichstellung in die laufenden KV-Verhandlungen einzubringen, sehr ernst zu nehmen. (APA)

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