Ödbär und Erlkönig

8. November 2011, 07:38
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Nino aus Wien stellt in der Fledermaus sein drittes Album vor, Sascha Ring steckt im Flex seinen Laptop an

Nino Mandl ist einer der wenigen heimischen Musiker, der nicht böse wird, wenn man ihn mit André Heller vergleicht. Zumindest bevor sich dieser die Berufsbezeichnung "Poet" verlieh. Denn der 24-jährige Wiener intoniert gern idiomverwandt zu Allround-Künstler Heller. Damit überzeugte er als Der Nino aus Wien auf zwei wunderbaren Alben, diese Woche erscheint sein drittes, das am Mittwoch in der Fledermaus im ersten Hieb präsentiert wird.

Das könnten "good news" sein, aber das vorzustellende Album krankt leider an einem Ehrgeiz, der alles zerstört, was den Nino aus Wien bisher ausgemacht hat. Die geschwätzigen Texte wirken, als würde er Thomas Brezina rezitieren. Das wäre an sich schon unerträglich, aber es kommt leider ärger. Die Musik auf dem Schwunder benannten Machwerk ist unter allem Spanferkel. So als hieße Ninos Label nicht Problembär, sondern Ödbär Records. Wo früher ein beherzter Dilettantismus und unbekümmerte Wildheit charmierten, betupft nun eine stehend k. o. wirkende Combo Ninos Textgirlanden mit akustischem Ziertand. Das ergibt einen unerträglichen Manierismus in einer Wolke aus Austro-Pop-Selbstverliebtheit, die einen Heller staunen ließe. Bei der Album-Präsentation wird Nino nicht spielen, sondern lesen, er stellt sich Fragen, Schwunder selbst soll vollumfänglich von DJ vorgespielt werden (Fledermaus, 1., Spiegelgasse 2, 20.00).

Heute, Dienstag, steckt im Wiener Flex (20.00) der deutsche Musiker Sascha Ring seinen Laptop an. Ring, der mit dem Künstlername Apparat auf der Bühne steht, ist vor zehn Jahren aufgetaucht und wurde mit sogenannten Intelligent Dance Music bekannt. Seine neueste Veröffentlichung heißt The Devil's Walk, ist auf Mute Records erschienen und in den Gefilden atmosphärereicher Popmusik aufgegangen. Apparats elektronische Waldschratt-Sounds sagt Jüngern der isländischen Band Sigur Rós ebenso zu wie Techno-affiner Klientel. Oder jener von Soap & Skin, die auf The Devil's Walk ebenfalls zu hören ist. Das passt. Goethes Erlkönig als elektronisch inszenierte Nachtfahrt. (flu, 

  • Der Nino aus Wien stellt in der Fledermaus sein drittes Album vor.
    foto: standard/heribert corn

    Der Nino aus Wien stellt in der Fledermaus sein drittes Album vor.

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