Nicht immer super oder Helden, aber echt

28. Oktober 2011, 17:54
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Selbsternannte Gesetzeshüter, deren es hunderte gibt, zogen zuletzt vor allem Aufmerksamkeit auf sich, wenn sie übers Ziel hinausschossen

New York City / Wien - Zweimal habe er einen Selbstmord verhindert, einmal einen Missetäter festgehalten, bis die Polizei kam, und regelmäßig Obdachlosen Essen gekauft. Das ist die Bilanz eines muskelbepackten Mittvierzigers aus New Orleans, der sich "Captain Black" nennt, weder maskiert noch in Lycra durch die Gegend läuft und sich dennoch als "echten Superhelden" bezeichnet. Er ist kein Einzelfall. 552 "Real Life Superheroes" zählt die gleichnamige Website.

Nicht nur virtuell sind die selbsternannten Helden vernetzt. Dieses Wochenende treffen einige einander beim fünften Treffen der "Superheroes Anonymous" in New York City. Im Vorjahr fand es in Portland statt, dort stand neben gemeinsamen Abendessen Blutspenden und ein Erste-Hilfe-Kurs auf dem Programm. Die Gruppierung gibt an, seit ihrem Bestehen über 5000 Obdachlosen geholfen, jede Menge Spitäler besucht und Patrouillen für die öffentliche Sicherheit durchgeführt zu haben.

Ab und zu schlägt aber auch einer der "Helden" übers Ziel hinaus. "Phoenix Jones" aus Seattle stand Mitte Oktober vor Gericht, weil er mehrere Menschen mit Pfefferspray besprüht haben soll. Der 23-Jährige, der in kugelsicherem schwarz-goldenen Kostüm inklusive Maske ausgerückt ist, um so etwas wie Nachbarschaftswache zu betreiben, behauptet, er habe eine Schlägerei in einer Gruppe beenden wollen. Die Polizei hält dagegen, dafür habe es keine Anzeichen gegeben. Und über den Mann, der sich als Anführer der Superheldenbewegung in Seattle bezeichnet, seien bereits zuvor Vorfälle dieser Art gemeldet worden. Benjamin F., wie er im wahren Leben heißt, in dem er Familie und einen ganz normalen Job hat, musste sieben Stunden hinter Gitter und wurde dann für eine Kaution in Höhe von 3800 Dollar (2700 Euro) freigelassen.

Nicht nur in den USA, der Heimat von Comic-Größen wie Superman und Spiderman, haben sich Bürger dem Kampf gegen die Kriminalität verschrieben. Beispiele sind auch aus Europa, etwa Großbritannien und Tschechien, bekannt. Selbst in einer 40.000-Einwohner-Kleinstadt wie Yeovil in der Grafschaft Somerset rückt immer wieder eine Figur im Ninja-Kostüm aus, um als "The Shadow" nach dem Rechten zu sehen.

 

 

Superváclav gegen Hundekot

Etwas mehr hat da schon Superváclav in Prag zu tun. Er zeigt keinerlei Erbarmen mit Hundebesitzern, deren Vierbeiner sich am Wegesrand erleichtern, oder mit Rauchern an der Bushaltestelle. Seine Taten dokumentiert er mit Videoclips auf seiner Website: Darin pirscht er sich etwa an Raucher an und leert ihnen einen Kübel Wasser über den Kopf. Ein andermal hebt er mit einem Gummihandschuh ein frisches Hundstrümmerl auf und wirft es auf den Hundebesitzer. Jedes Mal enden seine Taten weniger heroisch: Er rennt davon. (Gudrun Springer/DER STANDARD, Printausgabe, 29./30.10.2011)

 

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    Benjamin F. alias "Phoenix Jones" musste vor Gericht, weil er eine Gruppe mit Pfefferspray besprühte. Er habe eine Prügelei schlichten wollen, sagte er. Die Polizei sah das anders.

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