Maler Franz Ringel gestorben

28. Oktober 2011, 17:47
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Der aus Graz gebürtige Maler starb nach längerer Krankheit in seinem Geburtsort

Graz - Farbiges Formengewirr, dichtes Liniengestrüpp, rabiate Striche und Striemen, Vergitterungen, Figuren und Köpfe, Geschichten und Gesichter, Assoziationen, Wirklichkeiten, Mythen, Mäander - auf den Bildern von Franz Ringel geht es heftig zu; der Künstler, quasi ein malender Serientäter, der mit mächtigen, wütenden Hieben die Leinwand streichelt, Protokoll führt über seine Ängste, Obsessionen, über seinen Schmerz, seine Trauer, seine Leidenschaften, Forschungen, Erkenntnisse. "Ringel malt keine Ideen. Er coloriert bloß seine Geister", schrieb sein Dichterfreund Wolfgang Bauer 1999, und weiter: "Durch Ringel auf den Verdacht gekommen: Irgendwie schauen die Bilder ihren Malern ähnlich (Nicht nur bei Selbstportraits!)" Ringel wurde am 1. April 1940 in Graz als Sohn eines Rossknechts und einer Wäscherin geboren. In Wien studierte er bei Hans Knesl an der Angewandten und später an der Akademie bei Albert Paris Gütersloh. Ringels Arbeiten sind durch einen expressiven Gestus und intensive Farbigkeit gekennzeichnet. Mit 40 widmete er sich in seinem Oeuvre verstärkt einer "grünen" Phase. Der Ringel-Experte Peter Gorsen bezeichnete den "abstrakten Pantomimen" als in der "österreichischen Tradition der expressiven Körpermalerei" stehend.

1964 stellte Ringel erstmals in der Wiener Secession aus: damals noch als Solist, vier Jahre im Sextett mit Martha Jungwirth, Kurt Kocherscheidt, Peter Pongratz, Wolfgang Zeppl-Sperl. Titel der Gruppenausstellung: "Wirklichkeiten". Der "Aufmarsch der Krokodile" wurde heftigst kritisiert: "Die großen Chefs waren damals die Phantastischen Realisten. Und wir waren ihre Gegner.Wir waren eigenständig. Die 'Wirklichkeiten' waren ja eher eine lose Geschichte, es war keine Philosophie dahinter oder Politik", wie Ringel später erklärte.

Ringel ("M.J.M.") ist nun an den Folgen einer bereits länger andauernden Krankheit im engsten Familienkreis in seinem Geburtsort Graz gestorben. Die heimische Kunstszene ist um einen widerständigen Charakterkopf ärmer geworden. (red, DER STANDARD - Printausgabe, 29./30. Oktober 2011)

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    Franz Ringel im Jahr 2005 vor seinem Bild "Die Spanierin" (1981).

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