Geldeintreiben auf sizilianisch

30. Oktober 2011, 16:59
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Warum Strafmandate in Italien lebensgefährliche werden können und man nicht blind auf die EDV vertrauen soll

Geldeintreiben steht in Berlusconistan derzeit hoch im Kurs. Das freilich nicht bei Einkommens- und Vermögenssteuern, mit denen das überbordende Budgetdefizit Italiens eingedämmt werden könnte, sondern natürlich dort, wo es wenig Aufwand verursacht: bei Abgaben und Gebühren.

Dieses Treiben treibt, wie berichtet, gar seltsame Blüten. Radarstrafen von Ausländern etwa werden doppelt verschickt und, so die zur Kasse Gebetenen es nicht überreißen, einmal direkt beim Schnellfahrer kassiert und ein zweites Mal über die zuständigen österreichischen Behörden.

Nun stellt sich dieser "doppio erpresso" als geradezu harmlos heraus. Denn wie wir La Repubblica entnehmen, können selbst harmlose Strafmandate lebensgefährlich sein. Dies weil die Skala der Strafgebühren wegen Falschparkens so konstruiert ist wie die Richter-Skala, also nach oben offen. Das bescherte einer Dame auf Sizilien einen Strafzettel über schlanke 32.530,44 Euro - und einen Schwächeanfall, also eine Art Nachbeben, das im Krankenhaus behandelt werden musste.

Der Ehemann der Geschwächten, offensichtlich ein Mann der Tat, ging nicht nieder, sondern zur Polizei. Dort stellte sich der Überfall als der EDV geschuldetes Problem dar. Der Parksherriff hatte statt 2008 als Jahreszahl 208 in den Computer eingetippt, worauf selbiger die seitdem aufgelaufene Strafe auf besagte horrende Zahl taxierte. Richtig wären 102 Euro gewesen.

Dabei hatte die Signora Glück im Unglück. Der Computer hätte auch 208 vor Christus nehmen können. (Luise Ungerböck/DER STANDARD/Automobil/28.10.2011)

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