Die antisemitische Schattenseite der Occupy-Bewegung

28. Oktober 2011, 10:14
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Rechte wirft Demonstranten vor, sich vereinnahmen zu lassen - Anti-Defamation League: Lage nicht so ernst

Ein Gespenst geht um: "Humanity vs. the Rothschilds", "Its Yom Kippur - banks should atone" und "Google: Wall St. Jews". Antisemitische Anspielungen, Verschwörungstheorien und Stereotype über jüdische Banker  - auch das ist ein sichtbarer Teil der Occupy-Bewegung. In den USA ist mittlerweile eine Diskussion darüber entbrannt, wie ernst die Lage tatsächlich ist, ob es sich hierbei nur um einzelne Ausreißer handelt, oder ob die Bewegung als ganzes antisemitisch ist oder zumindest dem Antisemitismus keinen Riegel vorschiebt.

Patricia McAllister, die für den Los Angeles Unified School District arbeitet, will die "zionistischen Juden, die unsere Banken und die US-Notenbank kontrollieren" aus dem Land werfen:

Bei einer Rede in Los Angeles wird behauptet, dass die Familie Rothschild den zweiten Weltkrieg finanziert hätte - und zwar auf beiden Seiten. Die Schlussfolgerung: Banken und Kriege sind miteinander verflochten. Sehr deutliche Worte auch von jenem Herren, der davon überzeugt ist, dass Obama nur eine Marionette der Juden ist:

Vor allem konservative und rechtsstehende Medien griffen diese Ereignisse auf und verurteilten die Bewegung als antisemitisch. Newt Gingrich, republikanischer Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur, sprach von einem "erschreckenden Ausmaß an Antisemitismus", der auf Plakaten und auch in Interviews mit den Protestierenden immer wieder zum Vorschein käme. Das pro-israelische Emergency Committee for Israel ließ sogar folgenden TV-Clip auf CNBC ausstrahlen:

Die Anti-Defamation League (ADL), eine amerikanische Menschrechtsorganisation, die gegen Antisemitismus kämpft, versucht zu beruhigen. In einer Aussendung ließ Direktor Abraham Foxman mitteilen, dass es keinerlei Hinweise gebe, dass die ganze Bewegung antisemitische Ansichten repräsentiere. Trotzdem sei es dringend nötig, sich entsprechend von jeglichem Antisemitismus und Rassismus öffentlich zu distanzieren. Foxman kritisierte auch den TV-Spot des Emergency Committee for Israel, der die Thematik übertreiben würde. Foxman sagte, dass die Bewegung sich nicht an Juden richte - "its about the economy, stupid."

Occupy ordnet interne Untersuchung an

Die offiziellen Ansprechpartner von Occupy Wall Street haben auf die Vorwürfe mit Zurückweisung reagiert. Bill Buster, für die PR von Occupy Wall Street zuständig, sprach von einigen "isolierten Ereignissen", die man intern untersuche wolle. Man toleriere keine Diskriminierung und werde solche Personen dazu auffordern, die Versammlungen und Camps zu verlassen, notfalls werde man auch die Exekutive einschalten.

Mit der Ausbreitung der Occupy-Bewegung auf andere internationale Städte, wird die Kontrolle über Botschaften und Anliegen allerdings immer schwieriger. In Teheran wurde die Demonstration dazu genutzt, eine Israel-Flagge zu verbrennen, während die Anwesenden "Tod dem Kapitalismus" riefen.

Occupy-Initiator Adbuster schon 2010 im Kreuzfeuer der Kritik

Der Aufruf die Wall Street zu besetzen, geht auf die kanadische Zeitschrift Adbuster zurück. Ebenjene Zeitschrift wurde im vergangen Jahr heftig für einen Artikel kritisiert, in dem sie Israels Embargo im Gaza-Streifen mit den Zuständen im Warschauer Ghetto gleichstellte. Eine Supermarktkette ließ die Ausgabe daraufhin aus dem Sortiment nehmen, zahlreiche jüdische Organisationen riefen zum Boykott auf. (ted/derStandard.at, 27.10.2011)

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