Janko Messner 89-jährig gestorben

27. Oktober 2011, 12:38
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Slowenisch-Kärntner Schriftsteller, engagierter Kämpfer für Minderheits- und Menschenrechte

Klagenfurt  - Der Kärntner Schriftsteller Janko Messner ist am Mittwoch im Alter von 89 Jahren gestorben. Der Klagenfurter Verleger Lojze Wieser bestätigte am Donnerstag   eine entsprechende Meldung der slowenischen Nachrichtenagentur STA. Messner war einer der bekanntesten Literaten Kärntens, der in slowenischer Sprache schrieb.

Messner hatte schon seit längerem gesundheitliche Probleme, vor drei Wochen wurde er mit einem Lungeninfarkt ins Klinikum Klagenfurt eingeliefert, dem er schließlich erlag. In den vergangenen Jahren hatte der Autor, der sich stets für die Volksgruppe eingesetzt hatte, völlig zurückgezogen gelebt und war nicht mehr in der Öffentlichkeit erschienen. Die Verabschiedung von Messner findet laut Verlag am kommenden Sonntag 11.00 Uhr in Bleiburg/Pliberk statt.

Als streitbarer Kämpfer für Minderheits- und Menschenrechte nahm sich Janko Messner nie ein Blatt vor den Mund. Neben seiner literarischen Arbeit war er stets auch politisch aktiv, so kandidierte er 1999 gemeinsam mit Alfred Hrdlicka auf der Kärntner Liste der KPÖ für die Nationalratswahl. 2002 erhielt er das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, das er vier Jahre später an Bundespräsident Heinz Fischer zurückschickte, weil der ORF seinen Film "Vrnitev/Die Rückkehr" nicht ausstrahlte. In dem Film geht es um die Vertreibung von Hunderten Kärntner slowenischen Familien durch die Nazis im April 1942, ein Ereignis, das in Kärnten jahrzehntelang totgeschwiegen worden war. Zuletzt hatte die Autorin Maja Haderlap mit ihrem Roman "Engel des Vergessens" dieses Schweigen gebrochen.

Politisch bewegte Biografie

Messner wurde am 13. Dezember 1921 in der kleinen Ortschaft Aich/Dob nahe Bleiburg/Pliberk geboren. Er absolvierte in Klagenfurt und in St. Paul im Lavanttal das Gymnasium. Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde er zur Wehrmacht eingezogen und 1945 von britischen Truppen gefangen genommen. Messner flüchtete nach Jugoslawien, studierte in Ljubljana Germanistik, Slawistik und Romanistik und unterrichtete anschließend am Gymnasium in Ravne unweit der Kärntner Grenze.

1955 bekam Messner Probleme mit dem jugoslawischen Staatssicherheitsdienst und kehrte nach Kärnten zurück. 1963 erhielt er einen Job als Lehrer am slowenischen Gymnasium in Klagenfurt, wo er bis 1980 unterrichtete. In seinen Büchern thematisierte er immer wieder den Widerstand der Kärntner Slowenen gegen den Nationalsozialismus und die Behandlung der Volksgruppen in der Zweiten Republik. Er beließ es aber nicht nur beim Schreiben, sondern engagierte sich auch politisch. So gab es kaum eine Demonstration zum Thema Minderheitenschulwesen oder zweisprachige Ortstafeln, die ohne Messner stattfand.

Er schrieb Prosa, aber auch Lyrik, zu seinen bekanntesten Büchern gehört der Band "Schwarzweiße Geschichten" (1995). 1980 erschien sein "Kärntner Heimatbuch", zu dem Peter Turrini ein Begleitwort verfasste. Er schrieb ein "Kärntner Triptychon/Koroski triptih", 2002 veröffentlichte er "Kako sem postal gospod - Wie ich ein Gospod wurde", im Jahr darauf erschien "Grüßgott - Slowenenschwein". Der Drava Verlag veröffentlichte in diesem Herbst die letzten zwei Bände seiner sieben Bände umfassenden "Ausgewählten Werke".

Würdigungen

In einem Nachruf würdigte ihn Kulturministerin Claudia Schmied als "streitbaren und unbeugsamen Dichter": "Seine Identifikation mit der slowenischen Volksgruppe kennzeichnete seine Arbeit. Sein Werk zählt unbestritten zu den wichtigen Werken der zeitgenössischen österreichischen Literatur. In berührender Weise schildert er die tiefen Verletzungen, die Nationalismen, Krieg und Diskriminierungen bewirkt haben. Seine öffentlichen Auftritte beeindruckten alle, die von der Zukunft eines gemeinsamen Österreichs aller Volksgruppen und -sprachen überzeugt waren. Mit seinem Tod verliert Österreich einen sprachmächtigen Dichter und Mahner".

Der Kultursprecher der Grünen Wolfgang Zinggl schrieb: "Mit Janko Messner ist der wahrscheinlich spitzzüngigste Kritiker der unseligen Kärntner Zustände verstorben. Messners Biografie, seine Jahre in einer Strafkompanie der Wehrmacht, sein Konflikt mit Jugoslawien nach dem Krieg, seine späte dichterische Berufung und seine sowohl auf Slowenisch als auch auf Deutsch vorgetragenen scharfen Polemiken und hochpolitischen Gedichte sind untrennbar mit dem Kampf der Kärntner SlowenInnen um ihre Minderheitenrechte verbunden. Ein großer Österreicher ist abgetreten; seine Stimme wird uns fehlen", erklärt Zinggl und ergänzt: "Der Tod des Autors sollte für den ORF der Anlass sein, endlich Messners lebenslangen Wunsch zu erfüllen und den 1976 entstandenen Film 'Vrnitev - Die Rückkehr" auszustrahlen.'"

Kärntens Kulturlandesrat Harald Dobernig von der FPK würdigte neben der literarischen Arbeit Messners auch dessen "streitbares sozialpolitisches Engagement". Sein literarisches Wirken sei durch einen besonderen Blick auf die Probleme der slowenischen Volksgruppe geprägt gewesen. Der Kärntner SPÖ-Chef Petzer Kaiser meinte, mit Messner verliere das Land einen seiner bekanntesten Autoren und eine für viele unbequeme, aufrechte und immer mahnende Persönlichkeit. Der Kärntner Landessprecher der Grünen, Rolf Holub, der mit Messner gemeinsam einige Musikprojekte realisiert hat, betonte: "Messner war ein Unbequemer, doch gerade das war seine Stärke und machte ihn zu einem einzigartigen Menschen". (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Janko Messner 2005 bei einer Ortstafel-Demonstration

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