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Pumpspeicher bieten höchste Effizienz

31. Oktober 2011, 16:45

Karl Heinz Gruber, Sprecher Erzeugung von Oesterreichs Energie und Vorstand VERBUND Hydro Power AG sieht große Chancen für die Wasserkraft

Österreich und Wasserkraft - welche Assoziationen weckt das spontan bei Ihnen?

Karl Heinz Gruber: Österreich ist bezüglich der Energieressourcen in Europa in einer nahezu einzigartigen Lage. Die klimatischen und geodätischen Verhältnisse unseres Alpenraums erlauben die nachhaltige Nutzung des Wassers als Energiespeicher und -lieferant. In vielen Regionen Europas wird Wasser ausschließlich mit Trinkwasser assoziiert, stammen doch nur zehn Prozent der gesamten Stromerzeugung in den EU 27 aus Wasserkraftwerken. In Österreich hingegen zählt Wasser mit einem Anteil von rund 60 Prozent zu den wichtigsten Energielieferanten an der gesamten Stromversorgung.

Wenn Sie das aktuelle Umfeld betrachten, was trägt derzeit zur Stärkung der Wasserkraftnutzung bei, wo sehen Sie Kräfte, die sich negativ auswirken?

Karl Heinz Gruber: Die Diskussion um den Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland hat sich in den Bemühungen um regenerative Energien grundsätzlich als Triebfeder erwiesen. Leider wird die Stromerzeugung aus Wasserkraft aber nicht von allen als die Chance für Mensch und Umwelt gesehen, auch steigt der zeitliche und inhaltliche Aufwand der Genehmigungsverfahren. Und die Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie bedeutet zukünftig die Einschränkung unserer bestehenden Erzeugung. Hier sind wir gefordert, unsere Kraftwerke so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten und auch die nachhaltigen Erfolge rund um unsere Anlagen öffentlichkeitswirksam darzustellen. Auch wenn es sich bei den Biotopen und Lebensräumen rund um Wasserkraftwerke um Natur aus zweiter Hand handelt: es sind Oasen der ökologischen Vielfalt, die in unserer Kulturlandschaft sonst nicht zu finden sind. Vor allem bei keiner der anderen erneuerbaren Energieformen.

Welche Chancen bieten sich Österreich durch den Ausbau der noch vorhandenen Wasserkraftpotenziale - einerseits volkswirtschaftlich andererseits betriebswirtschaftlich und schließlich in Sachen Klimaschutz?

Karl Heinz Gruber: In Österreich besteht ein realistisches Ausbaupotenzial von sieben Milliarden Kilowattstunden bei Wasserkraft. Die dafür geschätzten 8,4 Mrd. Euro an Investitionen, wirken sich massiv auf die inländische Wirtschaft aus. Wir wissen aus unseren eigenen Projekten, dass dank des in Österreich angesiedelten Know-hows bis zu 90 Prozent unserer Investitionen im Inland verbleiben - mit einer Verdoppelung der Wertschöpfung für die Volkswirtschaft. Vom Planer, dem Tunnelbauer bis zum Maschinenkonstrukteur und dem Ökologen: wir finden in Österreich alle Leistungsträger, die für die Wasserkraft notwendig sind. Das sichert tausende inländische Arbeitsplätze. Österreichische Ingenieurskunst ist darüber hinaus auch ein Exportschlager.

Der deutsche Atomausstieg und seine Folgen haben viele Kalkulationen und Pläne der E-Wirtschaft in Zentraleuropa betroffen. Was sind die Auswirkungen auf die Investitionsvorhaben, was rechnet sich besser, was weniger?

Karl Heinz Gruber: Die Umsetzung von Kraftwerken ist generell langwierig und kapitalintensiv. Dies trifft sowohl auf Effizienzsteigerungsmaßnahmen bei den älteren Anlagen als auch auf den Neubau zu. Auch wenn sich mittelfristig die Strompreise seitwärts bewegen, mit dem Wechsel hin zu den kostenintensiven neuen erneuerbaren Energieträgern Wind und Sonne, werden sich Projekte zur Wasserkraftnutzung langfristig rechnen. Auch die thermischen Anlagen werden mittelfristig den wichtigen Stellenwert als Back-up-Kapazitäten behalten. Der Ausbau von Pumpspeicherkraftwerken, der für die Integration der neuen erneuerbaren Energieträger von besonderer Bedeutung ist, wird Hand in Hand mit dem Ausbau der Netzinfrastruktur gehen müssen.

Sind Wasserkraftprojekte aktuell wirtschaftlich darstellbar?

Karl Heinz Gruber: Wie erwähnt werden die steigenden Preise durch die Wind- und Fotovoltaikanlagen langfristig die Wirtschaftlichkeit der Wasserkraft sicherstellen. Allerdings darf man hier die immer länger und unplanbarer werdenden Genehmigungsverfahren für Neuanlagen nicht außer Acht lassen. Wir sind auf eine langfristige Investitionsstrategie angewiesen und wirtschaftliche Attraktivität hat viel mit Investitionssicherheit zu tun. Von dieser kann kaum die Rede sein, wenn sich Genehmigungsverfahren um ein Vielfaches über die gesetzliche Maximaldauern verzögern. Trotz einiger legistischen Verbesserungen in der letzten UVP-Gesetzesnovelle bleibt die Verfahrensdauer, aber auch der immer aufwendigere Inhalt, eine nicht zu unterschätzende Hürde bei der Umsetzung von Wasserkraftprojekten.

Was haben die Österreicherinnen und Österreicher davon, wenn hierzulande die Wasserkraft ausgebaut wird? Kann man die Vorteile darstellen?

Karl Heinz Gruber: Die Österreicherinnen und Österreicher sehen mit Stolz, dass 60 Prozent ihres Stromes aus heimischer Wasserkraft stammen. Österreich hat dank hoher Eigenerzeugung und liberalisiertem Strommarkt dementsprechend niedrigere Strompreise. Die hohe inländische Wertschöpfung bei Bau und Betrieb der Anlagen sichert Beschäftigung und der gute Ausbau der Infrastruktur sowie die Versorgungssicherheit sind wichtige Standortfaktoren, von denen das ganze Land profitiert. Und nicht zu vergessen, je stärker der Energiebedarf aus elektrischem Strom durch Wasserkraft gedeckt werden kann, desto stärker ist der Effekt der Substitution der Primärenergieträger. Dieser Effekt bilanziert volkswirtschaftlich auch in der Darstellung der Reduzierung des CO2-Ausstoßes.

Als Sprecher Erzeugung von Oesterreichs Energie - was sind die zentralen Themen für die kommenden zehn Jahre?

Karl Heinz Gruber: Neben unseren Bemühungen die heimische Energieversorgung zu sichern - durch Effizienzsteigerung und zusätzlichen Ausbau - werden wir uns mit Themen wie Speicherung und Ausgleich der erneuerbaren Energieträger beschäftigen. Und bei allen Aktivitäten müssen wir es schaffen, die erforderliche Akzeptanz durch eine intensive Informationsarbeit und Bewusstseinsbildung für die österreichischen Werte zu gewinnen.

Sie haben kürzlich Limberg II eröffnet und wollen noch Limberg III bauen. Alle diese Kraftwerke basieren auf einem Speichersystem, das es schon seit Jahrzehnten gibt. Werden wir auch noch neue Speicher brauchen?

Karl Heinz Gruber: Österreich hat dank seiner geographischen Lage die Möglichkeit, Europa in seinem Bemühen um den Ausbau von erneuerbaren Energien zu unterstützen. Strom lässt sich nicht speichern, Wasser schon. Pumpspeicherkraftwerke sind bis auf weiteres die einzige wirtschaftliche Form um im großen Stil Energie speichern zu können. Unsere Kraftwerksprojekte finden sie heute teilweise in der Nähe von bestehender und eigener Infrastruktur um die effizientere Nutzung dieser Systeme zu verstärken bzw. auszubauen. Die Pumpspeicherkraftwerke wie Limberg II oder Reißeck II sind Beispiele hierfür. Wir können mit diesen Kraftwerken einen Beitrag zu Europas grünen Batterie liefern, müssen aber im Hinblick auf den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energieträger auch die notwendige Netzinfrastruktur an die neuen Gegebenheiten anpassen.

Zur Erreichung der energie- und klimapolitischen Zielsetzungen muss der Anteil der Stromproduktion aus erneuerbaren Energie massiv erhöht werden. Welcher Bedeutung kommen dabei Pumpspeicherkraftwerken zu, die mit ihrer Flexibilität beitragen können, die wetterbedingten Schwankungen von neuen Erneuerbaren auszugleichen?

Karl Heinz Gruber: Zur Bedeutung von Pumpspeicherkraftwerken in Europa hat das renommierte Kölner Beratungsunternehmen Frontier Economics soeben eine neue Studie veröffentlicht. Im Vergleich unterschiedlicher verfügbarer Speichertechnologien war das Ergebnis, dass Pumpspeicherkraftwerke den Konkurrenztechnologien - wie Batterien, Wasserstoff- und Druckluftspeichern - klar überlegen sind: eine lange Lebensdauer, hohe Wirkungsgrade sowie vergleichsweise moderate Investitionskosten ergeben die effizienteste Kombination. Darüber hinaus wurden mit Hilfe eines erprobten Marktmodells die ökonomischen und ökologischen Auswirkungen eines Zubaus von neuen Pumpspeicherkraftwerken mit 1.000 MW Leistung analysiert. Frontier fand einen klaren ökologischen Nutzen, insbesondere für Europa, und deutliche ökonomische Vorteile für Österreich. Durch den Ausbau könnten 50 GWh mehr Windenergie pro Jahr ins Netz eingespeist werden, was der Versorgung von 14.000 Haushalten entspricht. Weiters werden 200 Mio. Euro an zusätzlichen Mitteln für den Klimaschutz freigesetzt und die europäischen Verbraucher durch effizientere Kraftwerksnutzung und geringere CO2-Kosten um 50 Mio. Euro entlastet. Österreich könnte durch den Ausbau zusätzlich direkte und indirekte regionale Wertschöpfungseffekte erzielen und von 8.000 bis 16.000 Arbeitsplätzen während der Bauzeiten profitieren.

Gibt es Handlungsbedarf bei den Rahmenbedingungen für Pumpspeicherkraftwerke, damit Österreich diese bestmöglich für den Umbau des europäischen Energiesystems einbringen kann?

Karl Heinz Gruber: Frontier Economics hat in einem weiteren Schritt die Rahmenbedingungen für den Betrieb von Pumpspeicheranlagen in den Nachbarländern verglichen und festgestellt, dass österreichische Pumpspeicherkraftwerke im Wettbewerb mit diesen benachteiligt sind. Daher empfehlen die Studienautoren - insbesondere neue - Pumpspeicher von den Netzentgelten für Pumpstrom zu befreien und weiterhin daran zu arbeiten, Regelenergie- und Intradaymärkte über Landesgrenzen hinaus zugänglich zu machen. Diesen Empfehlungen schließe ich mich an, da wir den größtmöglichen ökologischen und ökonomischen Nutzen von Pumpspeichern für Österreich und Europa nur erzielen können, wenn wir diese unter fairen Rahmenbedingungen wirtschaftlich betreiben können.

Was wäre der Idealzustand für die Stromversorgung 2020 in Österreich?

Karl Heinz Gruber: 2020 sollten wir stolz zurückblicken können, dass trotz einer finanziell angespannten Situation, einer sich verändernden Versorgungsstruktur und aufgrund von den sich verändernden gesetzlichen Rahmenbedingungen, die Österreichische Stromversorgung eine sichere und nachhaltige Säule in der Energieversorgung Österreichs bildet und für die Zukunft einnimmt.

  • Foto: Verbund Touristik
Energiediskurs auf derStandard.at
Die Leser/innen von derStandard.at haben im Rahmen des von 
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Die Antworten erscheinen regelmäßig auf diesen Seiten. Senden Sie ihre Fragen an energiediskurs@derStandard.at.

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