Naivität und Gewaltbereitschaft

26. Oktober 2011, 21:14
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"The Black Power Mixtape 1967-1975" montiert aus Fundstücken Zeitgeschichte

Die Idee ist gut: Man nimmt alte Fundstücke zu einem historisch interessanten Sujet und montiert aus der zeitlichen Distanz von fast vier Jahrzehnten eine Dokumentation, die mit Texten von aktuellen Zeitgenossen aufgesext wird. Diese stammen weitgehend aus der Musikszene, fertig ist der schmissige Titel The Black Power Mixtape 1967-1975.

Die von Göran Hugo Olsson und seinem Schnitt-Team montierte Doku besteht aus schwedischem Dokumentarmaterial aus den im Filmtitel genannten Jahren. Schwedische Journalisten bereisten damals die USA, um über die Bürgerrechts-, insbesondere die Black-Panther-Bewegung zu berichten. Sie trafen dabei nicht nur auf federführende Aktivisten wie Bobby Seale oder Stokely Carmichael (Kwame Ture), sondern besuchten auch einfache Afroamerikaner und sprachen mit diesen über ihr Leben, den normalen Alltagsrassismus. Das zum Teil mit heute putzig anmutender Naivität, dabei adelt schon das damals aktuelle Interesse diese Mission.

Bei Vorbildung zum Thema erfährt man im Film jedoch wenig Neues. The Black Power Mixtape 1967-1975 bietet chronologisch aufbereitet einen Überblick über die Bürgerrechtsbewegung, zeigt Interviews mit eloquenten Anführern wie eben Carmichael und holt von Musikerinnen und Musikern wie Erykah Badu, John Forté, Rapper Talib Kweli oder Abiodun Oyewole von The Last Poets Erinnerungen ein.

Im Wesentlichen beleuchtet die Doku die schrittweise Radikalisierung der Bewegung hin zu den Black Panthers, die im Gegensatz zu der friedlichen Mission von Martin Luther King bereit waren, auch mit Waffengewalt ihre Bürgerrechte zu fordern. Und sie zeigt dabei, dass das keine gewaltbereiten Irren waren, sondern verzweifelte Geistesmenschen, die einfach genug hatten und die sich durch die Attentate auf King, Robert Kennedy sowie die anhaltenden Repressalien gegen Afroamerikaner in ihrem Schritt bestätigt sahen.   (Karl Fluch  / DER STANDARD, Printausgabe, 27.10.2011)

27. 10., Künstlerhaus, 23.30; 31. 10., Gartenbaukino, 13.00

  • "We serve the people" steht auf dem Schild überm Eingang: dokumentarischer Rückblick auf die Anfänge der Black Panther Party
    foto: viennale

    "We serve the people" steht auf dem Schild überm Eingang: dokumentarischer Rückblick auf die Anfänge der Black Panther Party

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