Deutsche Linke rudert bei Drogenfreigabe zurück

27. Oktober 2011, 08:08
289 Postings

"Aufgeklärte Drogenpolitik", Entkriminalisierung von Süchtigen und kontrollierte Abgabe von Heroin in Apotheken

Vier Jahre nach der Gründung der Partei wurde beim Parteitag in Erfurt ein Grundsatzprogramm beschlossen, darin setzt sich die Linke für die Legalisierung harter Drogen, wie Heroin und Kokain, ein. Der Beschluss sorgte für viel Kritik.

Bei der Linken versteht man die Aufregung zwar nicht, trotzdem wurde der Parteitagsbeschluss nachträglich korrigiert und eine zusätzliche Textpassage eingefügt, wo von einer "liberalen und aufgeklärten Drogenpolitik" die Rede ist.

Entkriminialisierung von Süchtigen

In der Parteizentrale wehrt man sich gegen die Reduzierung der Thematik auf eine Freigabe von harten Drogen. Drogen seien eine Alltagserscheinung und ein gesellschaftliches Problem, die nicht durch Kriminalisierung und Verdrängung gelöst werden könne, erklärt Marion Heinrich, Sprecherin der Linke, in einem Statement gegenüber derStandard.at.

"Wir treten für eine rationale und humane Drogenpolitik ein, was eine Entkriminalisierung des Drogenkonsums und eine Legalisierung aller Drogen beinhaltet. Das bedeutet die Entkriminalisierung der Abhängigen und die Organisierung von Hilfe und einer legalen und kontrollierten Abgabe von Drogen an diese", heißt es im Parteitagsbeschluss.

Heroin in der Apotheke

Die heute bestehende Kriminalisierung der Süchtigen durch Ausgrenzung sei verantwortlich dafür, dass Süchtige bestehende Angebote nicht wahrnehmen und damit die Gesundheitsgefahren für sie weitersteigen, so Linke-Sprecherin Heinrich. Durch eine kontrollierte Abgabe hingegen könne eine Verbesserung in der Prävention von Suchtverhalten erreicht werden, "da ein aufgeklärter Konsum" Suchtverhalten vorbeuge. Geht es nach der Linkspartei würde Heroin ausschließlich in Apotheken ausgeben werden.

Derzeit gibt es jährlich rund 1200 Drogentote in Deutschland. Die Linke ist überzeugt, dass eine Umsetzung ihrer Forderungen auch eine Reduzierung der Anzahl von Todesopfern zur Folge hätte. Denn ein aufgeklärter Drogenkonsum würde das Suchtverhalten verringern und dadurch die Zahl der Toten langfristig reduzieren. Immerhin hänge die Opferzahl mit Faktoren zusammen, die durch Kriminalisierung entstehen - Streckmittel, hygienische Bedingungen beim Konsum und Begleiterkrankungen. Ebenso müssten Umstände, die Suchtverhalten auslösen, untersucht werden - dazu gehöre auch Leistungsdruck in der Arbeit, so Heinrich. (mte, derStandard.at, 27.10.2011)

Share if you care.