"Der Schaden kommt, wenn EU oder Euro flöten gehen"

26. Oktober 2011, 18:38
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Hugo Portisch hält ein flammendes Plädoyer für die Europäische Union und die Gemeinschaftswährung

Hugo Portisch hält anlässlich seines neuen Buches "Was jetzt" im Video-Interview mit Hans Rauscher ein flammendes Plädoyer für die Europäische Union und den Euro.

"Eigentlich bin ich eine Art von Wutbürger", sagt der Journalist, Jahrgang 1927. Das Buch habe er deswegen geschrieben, weil er etwas gegen das "Herumpolemisieren" unternehmen wollte. Er stelle nun schlicht die Frage, woher die EU und der Euro kommen und ob diese beiden weiter gebraucht werden. Auch wenn man dagegen sei, müsse man wissen, welche Folgen das hätte. Portisch kritisiert die Politiker, die aus Angst vor den Medien keine vernünftige EU-Politik betreiben würden. Am Beispiel des Lissaboner Vertrags meint er, dass die EU-Politiker ihren eigenen Wählern nicht zur Genüge erklärt haben, was sie da unterschrieben haben.

Der Euro habe von Anfang an einen Geburtsfehler, die fehlende Wirtschaftsregierung, gehabt. Portischs Lösung: Man sollte Sektionschefs statt einer neuen Regierung einsetzen. Das sollten Fachleute ersten Ranges sein, die man in jedes Ministerium jedes Euro-Landes schickt, die still und leise Kontrolle ausüben.

Kritik übt Portisch an der momentanen EU-Führung, die ihm zu schwach ist. Durch den Lissaboner Vertrag wollte man einen starken Ratspräsidenten installieren, in der Realität hätte man sich aber die schwächsten Politiker ausgesucht, nur damit man auf nationaler Ebene mächtiger bleibe. 

"Ich sage nur, was wir zerstören, wenn wir jetzt die Zügel locker lassen. Der Schaden kommt, wenn die EU oder der Euro flöten gehen", meint der Ex-Chefredakteur abschließend. Er erklärt anhand des Beispiels des Zerfalls des sowjetischen Imperiums, was die europäische Bevölkerung verlieren würde: "Der sowjetische Block ist zusammen gebrochen, weil die Bürger ihn deswegen nicht mehr ertragen haben, weil sie direkt vor der Haustür, in der EU, das Gegenteil gesehen haben. Besiegt worden ist dieses Imperium durch das großartiges Beispiel, das die EU gesetzt hat, in Freiheit und Demokratie in wirtschaftlichem Wohlstand und in einer ganz neuen Art der Bürger miteinander zu verkehren." (rasch, derStandard.at, 26.10.2011)

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